Almenland Liederbuch

 

Gleich einmal vorweg: Da und dort klagen wir, dass zu wenig gesungen wird und das wird schon richtig sein, denn die Anlässe sind uns nach und nach entschwunden und wir tun uns schwer, neue Gelegenheiten wahr zu nehmen, sie zwischen unserer Arbeitswelt und dem Privatleben zu installieren, um wieder einmal ein paar Stunden mit Gesang zu verbringen. Mehr noch: Wir müssen neuerdings diese Anlässe sogar organisieren, während früher das Singen auf die getane Arbeit oder im Anschluss an einen schönen Ausflug folgte. Oftmals stand das Singen einfach so im Zeitablauf, als Erhöhung und Abschluss nach dem vollbrachten Tagwerk.

 

Die schönste und schwerste Sucht ist die Sehnsucht

Die Gelegenheiten sind also andere geworden, vielleicht auch seltener, weil wir es nimmermehr gewohnt sind, selber den ersten Ton anzustimmen und alle Musik zu jeder Zeit für uns veranstaltet wird. Aber: Die Sehnsucht ist allerorts da, nach ein paar Stunden mit den eigenen Liedern und den eigenen Stimmen. Das sind die schöneren Abende und Nächte, wo mit den vertrauten Melodien und Texten eine Übereinstimmung entsteht, die in keiner noch so hitzigen Debatte jemals erreicht werden kann.

 

Eine äußerst sympathische Abgehobenheit

Im Almenland kann diese Lust auf klingende Geselligkeit immer wieder neu keimen. Dies liegt an der Landschaft – dem Übergang zwischen dem prachtvollen Dasein und dem verheißungsvollen Himmel - und ebenso an den Menschen, die ihre Traditionen nie weggelegt haben. Der weitreichende Almboden und die Gastlichkeit der Menschen erzeugen ein besonderes Klima für Begegnungen im Freundeskreis, in der Nachbarschaft und zusammen mit den vielen Gästen. Wenn das Wort „Abgehobenheit“ nicht anders besetzt wäre, würde ich es hier einsetzen als Erklärung für den spürbaren Wechsel vom Alltag in den Niederungen in die vom Wetter gegerbte Almregion. Eine äußerst sympathische Abgehobenheit, so meine ich.

 

Der wertvolle Wildwuchs regionaler Varianten

Durch die früheren Bestrebungen, bei der Herausgabe von Liederbüchern eine Allgemeingültigkeit anzustreben, sind viele ortsgebundene Varianten und Heimatgesänge unter den Tisch gefallen. Sie wurden nicht für wert genug gefunden, im allgemein gültigen Liederbuch aufgenommen zu werden. Dazu gehörten vor allem auch die Ortshymnen. Heute wissen wir, dass gerade diese Lieder einen hohen Stellenwert haben, dass der Wildwuchs an regionalen Varianten und die textlichen Eigenschöpfungen des Augenblicks das besondere Merkmal von Volksmusik sind. Dies verhält sich durchaus ähnlich wie bei der regionalen Küche, den unzähligen mundartlichen Färbungen und Ausdrücken, den tausendfachen Familiengeschichten und den vielen handwerklichen Kenntnissen unserer Landsleute: Sie sind uns deshalb so wertvoll, weil sie unvergleichlich sind.

 

Und nun wird angesungen!

Das Steirische Volksliedwerk ist dem Redaktionsteam, den Almenland- Gemeinden und allen fleißigen Helfern zu Dank verpflichtet. Insbesondere gilt der Dank Herrn Altbürgermeister Norbert Christandl und dem Hackbrettbauer und Sänger Konrad Schlegl. Die Partner im Almenland, der Leader+Region und des Volksliedwerkes in Graz leisteten hervorragende Arbeit.

 

Und nun angesungen! Unser Volksliedwerk verführt zum Singen und singen macht Sinn, denn Lieder sind die schönste Form von Wertschätzung gegenüber unseren Eltern und Großeltern. Singen weckt aber auch die Freude an der eigenen Ausdruckskraft und schärft die Sinne für Tradition.