Kinderlieder Hopsassa

 

Zum Anfang für die Eltern

Kinderlieder, Kinderschuhe, Kinderärzte, und Kindermenüs. Ja, eigentlich sollte ein Kindermenü alle Vorzüge eines regulären Menüs beinhalten. Da ist keine Rede davon, dass es weniger gehaltvoll, weniger leicht verdaulich, weniger schön serviert und weniger anspruchsvoll sein  muss. Niemand sagt, es sei der Anfang vom guten Essen, die untere Stufe einer Speisenfolge. Im Gegenteil: Im Kinderteller finden sich dieselben Bohnen, derselbe Kürbis und dasselbe Schnitzel, alles nur etwas kleiner, weil magengerecht portioniert.

 

Die kleine und zugleich große Welt der Kinder

Kinderlieder sind also fertige, vollwertige Werke. In ihnen steckt ebenso die große Welt der Poesie in Wort und Ton, denn Einfachheit bedeutet nicht „minder ausgestattet“, sondern „auf das Wesentliche bezogen“. Einfachheit ist manchmal auch das Prädikat für guten Stil, sie ist eben eine Klasse für sich. Kinderlieder sind also eine anspruchsvolle Musik. Ein sicheres Zeichen für deren Qualität ist es übrigens, wenn sie von den Erwachsenen gerne gesungen werden. Das ist bei vielen Kinderliedern der Fall, sie bringen großen und kleinen Menschen Übereinstimmung. Manche Strophen reichen mehr in die Erwachsenenwelt hinein / Heit is Lumpntåg /. Das spielt keine Rolle, denn Kinder sind auf dem Weg ins Erwachsenenleben und mögen es gar nicht so gerne, wenn sie mit Kindlichkeit gefüttert werden. Sie sind nämlich nur von ihrer Größe her klein, dafür aber große Nachahmer: Sie tun, reden und singen gerne wie Vater und Mutter. Aus diesem Grunde können wir unseren Kleinen durchaus mehr zumuten. Große Tonsprünge / Hops duljoe  / genauso wie Mundarttexte / A kloana Schelm bist du /, lange Aufzähllieder, die Durchhaltevermögen erfordern / Und wånn i amål reich sullt werdn / oder gar so manche Liedstrophe mit dem Bezug zum Liebeswerben / Hupf eini in mei Federnbett.

Wer sich mit der Sammlung überlieferter Kinderlieder beschäftigt, wird kaum kindliche Texte kennenlernen. Es finden sich oftmals grobe Ausdrücke /Max muss gacken /, ebenso Spott / Tätarä is eingsperrt wordn, / und Drohung / I steck di in an Håbansåck  /. Ja, manche Wörter sind im Lied geträllert harmlos / Schoaß /, weil – wie in unserem Fall - die Goaß damit einen Reim findet.

 

Singen wie die Alten, aber selbst gestalten

Traditionen und so auch alte Kinderlieder verlieren ihren Sinn, wenn sie mit dem Mantel des Echten verhangen werden. Das macht selbst das lustige Thema Singen zum ernsten Anliegen und wirkt wie ein Hemmschuh. Wir fordern daher auf, die hier vorgestellten Lieder und Sprüche auch selbst mit zu gestalten. Lassen Sie Strophen weg, wenn Sie ihnen nicht gefallen, fügen Sie welche hinzu, die Ihnen gerade einfallen und greifen sie – wenn sie sich plötzlich erinnern können - auf die Variante der Großmutter zurück.

 

Melodien verbinden Jung und Alt

Musikalische Früherziehung liegt zuallererst in der Verantwortung der Eltern. Da kann die eigene Erinnerung an die Kindheit mitklingen. Sie werden staunen: Es zahlt sich aus, auf die alten Kinderlieder zurückzugreifen. Es sind kleine Kostbarkeiten, die dann wieder entdeckt werden. Das meinen wir nicht, um Altes zu retten, sondern um den Spaß daran neu aufleben zu lassen und um Jung und Alt zu verbinden. Da geht es auch um  ein Stück Familiensinn, denn solche Lieder sind der Klebstoff zwischen den Generationen.

 

Kinder singen für Kinder...

Die vorliegenden Aufnahmen entstanden im Zusammenwirken zwischen kleineren und größeren Kindern. Die Kleinen waren mehr gesanglich, die Großen mehr instrumental beteiligt. Alle Lieder, Sprüche und Musikstücke sind – und das ist der Zweck dieser CD – zum Mitsingen und Mitmachen gedacht. Es ist also eine CD, die beim Spielen mit den Bausteinen und im Tagesablauf  der Puppenküche dazugehört. Neben dem Küchenherd sollten Sie mit Ihren Kleinen die ersten Tanzschritte versuchen und beim Autofahren stets ein Lied auf den Lippen haben.

 

Mit diesem Buch - samt Tonproduktion - festigt das Steirische Volksliedwerk aber auch sein deutliches Bekenntnis zur tönenden Wirklichkeit, zum Singen „wie uns der Schnabel gewachsen ist“. Das wird in Zeiten der Klangoptimierung zwar verwundern und mag viele Kinderlieder-Tonträger im Konzertton beinahe in Frage stellen. Dem eigentlichen Sinn von Singen mit Kindern kommen wir damit aber näher, denn Singen ist die erste Zweitsprache in die wir alles übersetzen, wofür wir keine Worte finden können.