Erst unlängst hat mir ein Bekannter gebeichtet, dass er Zeit seines Lebens keine Lederhose tragen wollte, er war eher der Lederweste zugeneigt. Wie köstlich,  dass die Lederober- und Lederunterbekleidung zum einen symbolisch für modisch, zum anderen symbolisch für altmodisch, im musikalischen Umfeld für Rockmusik und Volksmusik stehen könnte.

Da hat sich also nun mein Freund - im überreifen Mittelalter - eine Krachlederne anfertigen lassen.

 

Ebenso berichtet mir ein anderer: Die Beatles waren seine Gruppe und deren Lieder waren auch seine Lieder in der Jugendzeit, so erzählt er mir. Nunmehr - Jahrzehnte später, hat er sich eine „Steirische“ gekauft. „Bist narrisch“ hat er gemeint, „i hätt net amål im Traum drån g`dåcht, jemals Volksmusik zu spieln“.

 

Tradition als Spätfolge...

 

Beides sind keine außergewöhnlichen Vorkommnisse. Traditionen sind in jungen Jahren dem Tatendrang und der Eroberung des Neuen hinderlich. Die Kenntnisse der Vorfahren sind vorerst einmal gar nicht interessant. Später aber, nach erfolgreichem Berufsweg, nach der Partnersuche und gefundener Beheimatung kippt die Geschichte. Das eigene Alter ernennt einen ungefragt zum Vorbild für Kinder und Kindeskinder, da bedarf es eben der Rückschau und der Sammlung von Weisheiten.

 

Schade, manchmal ist es nämlich zu spät, um die Rezepte der Mutter oder die Liedertexte des Vaters für die Nächsten mitzunehmen.... Schön ist es, wenn junge Menschen alte Lieder singen. Kultur ist es, wenn die Alten mit den Jungen singen.