Jeder Feiertag ist auch ein Heimkehrtag. Da kommen Leute ins Dorf, die vor langer Zeit weggezogen sind und hier ihre Wurzeln haben. So manchen Sonntagsgast zieht es auch ins Dorfgasthaus um Altes und Neues zu erfahren. So im Überblick - aus meiner Position an der Schank – sind es Unternehmer, Bauern, Beamte, Lehrer und Gendarmen, Eltern, Großeltern, Kinder und schon wieder deren Kinder. Es sind Rote, Schwarze, Grüne, Blaue, Großzügige und Kleinliche, Vorlaute und Stille – die bunte Mischung halt, die ein solcher Tag zusammenführt.

 

Da bleibt mir keine Wahl ...

 

 

Die bevorstehenden Wahlen sind hier kein Thema, warum sollten sie auch? Hier hat jeder sein Schicksal in die Hand genommen, Familien und Unternehmen wurden gegründet. Die Leute mögen sich und genießen das Daheimsein. Also alles in Ordnung? Nein, mitunter gab es Streit um Erbschaft und den Grenzverlauf, dann und wann auch Stolpersteine in der Generationenkette. An einem solchen Tag aber besticht die besondere Gabe der Menschen, Heimat gemeinsam zu erleben.

 

Bei so viel Lebensqualität sind Neuwahlen also kein Thema. Man wird der staatsbürgerlichen Pflicht nachkommen, ja. Was sind aber die anschließend neu eingeführten Abgaben, die dafür aufgelassenen Zulagen, der Streit um die Finanzierbarkeit der Rosinen im Kuchen und die nächste  Auseinander-Zersetzung gegen gelebte Nachbarschaft und Familiensinn, gegen die Kultur des Zusammenlebens in der selbsterdachten eigenen Republik?

 

„Ja, bitte – ein kleines Bier noch“! Während ich meinen Gedanken nachhänge, fängt die Runde nun tatsächlich zu singen an. Da bleibt mir keine Wahl, heute kann’s spät werden ...