Das sind Sätze und auch Gegensätze

 Zur Hand nehmen und am Buchrücken lesen:

 

 

In Fragen des brauchtümlichen Lebens und ebenso der Pflege von musikalischer Überlieferung scheint es so, als ob es nur zwei gegensätzliche Möglichkeiten der Entwicklung gäbe:

 

Das kompromisslose Festhalten und damit das Leben mit immer wieder aufgewärmten Sitten - dem Museum näher als dem Leben. Oder aber das Überbordwerfen des Bewährten, das Vernachlässigen der Rituale. In beiden Fällen opfern wir die in Generationen entwickelte Qualität des Zusammenspiels von Notwendigkeiten, Neigungen und schöpferischem Tun dem jeweils dominanten Zeitgeist. Es fehlt dann der Spielraum für die eigenen Fertigkeiten und Gefühle. Es fehlt aber auch die Wertschätzung gegenüber erworbenen Lebenshaltungen die es neuerlich zu überprüfen und weiterzugeben gilt.

   

Erst diese Gegenüberstellung macht deutlich, welcher großen Aufgabe sich das Steirische Volksliedwerk gestellt hat. Dieses Buch entstand in der Absicht, neue und erfolgreiche Rezepte der Volksmusikpflege vorzustellen. Längst müsste es für die Volksmusikanten heissen: Raus aus dem Ghetto, Vorsicht vor aufgepfropfter Innovation und Bereitschaft zur Einsicht: Musik ist niemals alt oder von gestern - wir selbst viel eher.