Auf, auf, Diandl måch auf!
Wånnst willst mei Diandl sein,
måch auf und låss mi ein,
auf, auf, Diandl måch auf!

Nein, nein, dås kånn net sein!
Liegt da Hund vor da Tür
Muatta schlåft a bei mir,
nein, nein, dås kånn net sein!

Jå, jå, Glegnheit war då!
Hund håb i an Kråpfn gebn
Muatta schlåft a danebn,
jå, jå, Glegnheit war då!

Diandl bist stolz oder kennst mi nit,
oder san des deine Fensta nit?

Då geh i hålt spåt da Dirn zua,
zua rechten Zeit kimm i hålt nia!
Und wia i`s zum Fensterl hin kimm,
wår schon a åndra Bua drin.
Da hoaßts hålt glei marschiern bei da Nåcht!

Um hålba neini Bua, då stellst `s Loaterl auf,
klopfst ban Fensterl ån,
nåcha kimmst eini um hålba neini!

Und dås Wispln und Singan
und dås Gehn bei da Nåcht,
jå des håben hålt die lustign Buama aufbråcht.

Is a Freud håt sie gsågt,
wånn a solcher Bua kimmt,
der schen jodlt, schen singt
dass über d`Ålm daher klingt.

A Sprung übers Wasserl an Juchaza drauf,
an Klopfer ans Fensterl, schens Diandl, måch auf!
Schens Diandl måch auf, tua mi einilåssn,
und låss mi net stehn draust auf da kåltn Stråssn!

Die Sunn, die geht unter und da Mond der geht auf,
schens Diandl bist munter, bitt di går schen, måch auf!

Fensternl san ma gånga zu da Roakeuschladirn,
håbs Fensta verfehlt, san bei da Goaß einigstiegn!

Diandl, wo håst denn dei Liegestått,
åber Diandl, wo håst denn dei Bett?
Åber über drei Staffln muasst aufisteign,
weil drunt auf da Stråßn steht `s net.

Und du kennst jå meine Hüttn
und du kennst jå meine Kiah,
aufn Fensta liegt da Schlüssl,
Bua, wånnst eina kemman wüllst zu mir.

Geh, måch dei Fensterl auf….

Dem Fensterln auf den Zahn gefühlt

 



Der Hans wartet ungeduldig, bis eine Wolkenbank den Vollmond zur Gänze verschluckt. Erst dann setzt er seinen Weg fort. Sein Vorhaben braucht das innere Feuer, aber keine Festbeleuchtung. Ein Sprung über den Zaun und schon schleicht er geduckt entlang des Hollerstrauches, knapp unter dem Misthaufen vorbei. Was ihm da in die Nase steigt, passt nicht zur erotischen Spannung die ihn ergriffen hat. Dass er nun daneben steigt und in die abrinnende Jauche strumpft, verwandelt sein Begehren in wilde Entschlossenheit. Hans unterdrückt einen Fluch und zieht seinen Fuß aus der feuchten Umarmung. Jedes Geräusch ist nämlich zuviel, denn er kann nicht sicher sein, ob der Hofhund im Haus oder im Freien auf der Lauer liegt. Immer wieder bleibt er stehen und lauscht in die Nacht. Es ist nur das Zirpen der Grillen zu hören. Lenis Kammerfenster hat er im Auge und er bildet sich ein, einen schwachen Lichtschein zu erkennen. Es kann aber sein, dass dies auf seinen angespannten Zustand zurück zu führen ist. Schläft sie noch nicht, dann hat er Chancen erhört zu werden, ohne viel Lärm zu machen. Ein Klopfer ans Fenster und ein Gasslreim müsste genügen. Der Hans schaut sich nach einer Leiter um, denn das Fenster liegt höher, als er es erhofft hatte. Er huscht hinüber zur Scheune und entdeckt die Leiter gleich beim Eingang. Schnell ist sie angelehnt. Der Hans schaut sich noch einmal nach dem Mond um, der sich immer noch - zu seinen Gunsten - versteckt. Nun nimmt er eine Sprosse nach der anderen und sein Herz pumpert vor Aufregung. Wird sie ihn erhören, aufmachen und seine Sehnsucht stillen? Oder wird sie nach den Eltern und dem Hundsvieh rufen? Muss der ungestüme junge Mann vielleicht die Flucht ergreifen? Das alles geht ihm durch den Kopf, der sich dem Kammerfenster näher schiebt. Jetzt geht der Hans aufs Ganze: Zwei Sprossen unter dem Fenster angekommen, greift er nach der Mundharmonika und spielt sein Gassllied: „Auf, auf, Diandl måch auf…“

Die Liebensanbahnung unter schwierigsten Bedingungen

Freilich kennen wir das Fensterln heute nur mehr von der Bauernbühne, von einzelnen Strophen aus Liedertexten oder aber aus Erzählungen. Letzteres ist zugleich der Hinweis, dass die Liebesanbahnung am Fensterstock noch gar nicht so lange her sein kann. Noch in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts und in der Nachkriegszeit war sie Wirklichkeit, das könnten die älteren Semester noch erzählen. Tun sie aber selten, weil dieser Teil der Werbung im Geheimen ablief und nur zwei Seelen etwas anging. Andererseits: Sollte das Fensterln keinen Erfolg gehabt haben, wer wird dies vor anderen gerne eingestehen? Gerade deshalb ist das Fensterln auch der Legendenbildung ausgesetzt, ja es wird geradezu nach Lust und Laune ausgeschmückt. Diesem Liebeswerben wird allzu gerne das romantische Mäntelchen umgehängt. No na, mit allen schönen Facetten des nächtlichen Anpirschens, der drohenden Gefahren, des reizvollen Geheimnisses und des Hervorbringens von musikalisch und poetischen Kostbarkeiten ist das kein Wunder. Trotzdem: Die Liebesanbahnung am Fenster ist gleichzeitig ein Zeichen von Unterdrückung und einer heute kaum nachvollziehbarer Sexualmoral.

Verzückung und Unterdrückung

Im Grunde genommen handelt es sich um die Auswüchse einer Jahrhunderte alten Unterdrückung der Frau, die über ihren Körper und über ihre Sexualität nicht frei verfügen durfte. Katholische Moralvorstellungen, vor allem aber die Vorgaben des Apostel Paulus waren es, die das Weib als Sünde schlechthin darstellten. Für die Bevölkerung war die Kirche die höchste Instanz und sie ordnete sich aus Furcht vor dem Jüngsten Gericht unter. Der Geschlechtsverkehr war der Zeugung von Kindern vorbehalten. Vorehelicher Verkehr galt als schwere Sünde und das schlechte Gewissen war der ständige Begleiter der sich Liebenden. Noch in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts war das Thema Sexualität tabu und die jungen Leute erfuhren die wichtigsten Zusammenhänge erst dann, wenn ein Kind unterwegs war. Viele junge Mädchen mussten sodann in Schande leben, oftmals das Kind weggeben, damit die Schmach nicht auf den Bauernhof zurückfällt. Erst mit der Aufbruchstimmung des Jahres 1968 und ebenso mit der  vor 50 Jahren entwickelten Antibabypille wurde für die Frau die Sexualität von der Fruchtbarkeit entkoppelt. Erstmals waren sie in der Lage, über ihre eigene Sexualität selbst zu verfügen.

Diesen ernsten Hintergrund sollte man bedenken, wenn vom Fensterln die Rede ist. Es war oft die einzige Gelegenheit, sich unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu treffen. Und es ist bewundernswert, wie die jungen Leute am Lande diese Bedrängtheit meisterten und eigene poetische und musikalische Formen erfanden, um Erotik zu erleben und dem Urbedürfnis nach Liebe nachzukommen.

Die ausgefeilten Methoden des Fensterlns

Dies ist ein Versuch, methodisch vorzugehen um das Fensterln in seinen verschiedenen Facetten darzustellen. Nachdem es zu diesem Thema aus den verschiedenen Regionen sehr unterschiedliches Berichte gibt, kann diese Darstellung nur eine grundsätzliche sein. Gehen wir also von drei Varianten des Fensterlns aus:

 

Variante I

Das Fensterln als Anpirschen an ein Mädchen, welches
von dem Begehren des jungen Mann noch nichts weiß.
Wie macht der Freier auf sich aufmerksam?
Klopfen ans Fenster
Leises Rufen des Mädchennamens
Werfen eines kleinen Steinchens
Imponiergehabe des Freiers:
Singen eines Liedes, von Gstanzln
Spielen der Maultrommel
Flüstern von Gasslsprüchen

Reaktion des Mädchens:
a)Stellt sich schlafend
b)Ruft die Eltern herbei/ schüttet einen Kübel Wasser auf den Freier
c)Macht das Fenster auf und lässt die Werbung zu, küsst ihn.

Der weiteren Entwicklung, ob die beiden sich mehrmals treffen, ob das Mädchen den Burschen durch das Fenster steigen lässt oder ob
der Bursche später um die Hand der jungen Frau anhält kann hier nicht vorgegriffen werden. Wer weiß?

Variante II

Das Fensterln als Möglichkeit eines Paares, sich inkognito zu treffen.
Wie macht der Freier auf sich aufmerksam?
Klopfen ans Fenster
Leises Rufen des Mädchennamens
Werfen eines kleinen Steinchens
Imponiergehabe des Freiers:
Flüstern eines Gasslspruches
(Eventuell auch ein Losungswort)

Reaktion des Mädchens:
Sie lässt den Freier ein. Über die weitere Vorgangsweise und ob und wann der junge Mann bei den Eltern um die Hand der Tochter anhält, kann hier nur spekuliert werden.

Variante III

(eher selten, dem eigentlichen Zweck entfremdet)
Das Fensterln als Ehebruch einer der beiden oder beider Beteiligten.
Wie macht der Freier auf sich aufmerksam?
Fixe Terminvereinbarung von Fall zu Fall
Imponiergehabe des Freiers:
Nicht mehr nötig, Geheimhaltung steht im Vordergrund!

Waren die Fenster der Töchter und Mägde vergittert, so war anzunehmen, dass die Hausleute auf Nummer sicher gingen, um ernste Beziehungen und deren Folgen zu verhindern. Die feschen Töchter sollten eine gute Partie machen, also einem Bauernsohn mit entsprechenden Sicherheiten heiraten. Anders war es, wenn zu viele weibliche Nachkommen und Mägde am Hof waren. Das war auch eine Belastung für die Wirtschaft, weshalb die Bauersleute interessiert daran waren, die jungen Weiberleut` an den Mann zu bringen. Nicht selten wurden die Mädchen also in unvergitterten Schlafstuben untergebracht, um die Heirat zu beschleunigen.

Praktische Erprobung ist auf  www.romantik.at unter „Fensterln“ möglich. Ein Versuch ist es wert, wie überhaupt das Internet viele interessante Details zum Thema bereithält.

Die Mittel zum Zweck

Die Gasslsprüche:
Die berühmteste Sammlung mit Liedern, Gasslsprüchen und Zeichnungen ist wohl das  1910 erschienene „Steyerisches Rasplwerk“ von Konrad Mautner (1852-1930). Der Wiener Industrielle schuf damit eine der schönsten Darstellungen dörflichen Brauchtums und gab seinem Buch jenen Namen, den man damals auch für das Aufsagen von Gasslreimen benützte. Das leise Flüstern der Reime nannte man „Rasplwerk“

Es sind uns zahlreiche Varianten überliefert und sicherlich gab es in den verschiedenen Regionen auch allgemein bekannte Reime, die immer wieder Verwendung fanden. Besonderen Anwert hatten aber jene Burschen, die aus dem Stegreif ihre Reime dichteten und dabei auf die Vorzüge des Mädchens eingingen und ihre Zuneigung überschwänglich ausdrückten. Dabei vergaßen sie nicht, sich selbst äußerst vorteilhaft, schneidig und unbezwingbar darzustellen. Auch die Mädchen waren nicht unvorbereitet. Sie hatten einerseits ablehnende und andererseits auch kokettierende  Reime auf Lager. Es galt als schicklich, das Begehren des Burschen vorerst einmal abzulehnen, um im Laufe des Gesprächs nach und nach ebenso Zuneigung zu signalisieren. Wie könnten sich also solche Rasslreime angehört haben?

(Alles geflüstert!)


Bua:
Steffi!
(Ein Klopfer ans Fenster)
Bua:
Diandl, i schick da an Gruaß
und a Pfandl voller Muas,
Schwårzkirschn drunter,
Diandl bist munter?

Diandl:
Wås bist für a Bua,
håb Schwårzkirschn gnua,
geh weg, sakaradi,
da Hund wårt auf di!

Bua:
Bixnbux, Baxnbux i måch da koan Jux,
bin koa Dackl, bin a Lackl
mit ledane Schuah
und Geld håb i gnua!
Håb zwoa Federn am Huat
und pfeifn kånn i guat.
Madl måch auf,
kriagst a Busserl glei drauf!

Diandl:
Håb di stad, håb di stad,
glei håts di åbidraht
über d`Heanaloata,
da Bodn is a hoarta,
gehst ma jå drauf,
i måch jå scho auf!

Bua:
Diandl ei, ei,
jå, i liab di so treu,
gib ma die Handerl
und a bisserl dei Wangerl.
Låss mi net auf d`Stråssn,
tua mi einilåssen!

Der Ausgang dieser Begegnung ist in diesem Stadium noch ungewiss!

Mit einem Instrument auf der Leiter

Maultrommel (auch Fotzhobel oder Brummeisen)
Ein sehr beliebtes Instrument beim Gassln ist die Maultrommel gewesen. So leise sie auch klingen mag, so sehr sind die Schwingungen dazu angetan gewesen, dem Mädchen die Liebesbotschaft nahe zu bringen.

Mundharmonika (auch Maulwetzn)
Gitarre (auch Klampfn)
Nicht selten wurde die Mundharmonika oder die Gitarre eingesetzt, um vom Mädchen erhört zu werden. Manche Burschen sangen Gstanzln und machten mit dem Instrument ein kleines Zwischenspiel. Angeblich soll von dieser Darbietung, nämlich von der Auswahl der Gstanzln und der überzeugenden Spieltechnik der Erfolg abhängig gewesen sein.

Zither, Violine (auch Geige)
Keine Frage: Wer sich mit einem dieser Instrumente auf die Leiter wagte, hatte schon gewonnen. Kein weibliches Wesen konnte ein Mannsbild abweisen, dessen Männlichkeit sich über instrumentale Fertigkeiten definierte.

Es war durchaus üblich, der Herzallerliebsten eine kleine Aufmerksamkeit mitzubringen. Ein Lebzeltherz vom letzten Kirtag mit eindeutiger Aufschrift (Du bist mein Leben / I liab di so treu… / Herzpinkerl / Meinem Schatz)
konnte ebenso hilfreich sein, wie ein Büscherl Almblumen oder ein kleines selbstgemachtes Gedicht.
Vom Heiraten wird in dieser Phase der Anbahnung noch nicht die Rede gewesen sein, ebenso hatte die Mitnahme der Grundbesitzurkunde noch wenig Sinn. Romantik war gefragt.

Das Fensterln in den Volksliedern

Eine Vielzahl von Volksliedern widmet sich dem Fensterln und damit ist wohl auch bewiesen, dass es sich um ein herausragendes Thema für Jung und Alt gehandelt hat. Die Sammlungen geben auch Einblick in das ländlich-bäuerliche Umfeld mit den Land- und Forstwirtschaften, den Handwerksbetrieben und der Jägerei. Bemerkenswert ist, dass in dieser Begegnung der beiden Geschlechter die Koppelung des verbotenen Treffens am Fenster mit dem unrechtsmäßigen Wildern (Bursche) eine verherrlichende Erhöhung erfährt.

Vom Fensterln zum Türln

In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts löste sich der Brauch des Gasslgehens schnell auf. Vor allem die Motorisierung der jungen Burschen eröffnete andere Möglichkeiten der Liebesanbahnung. Zuerst mit dem Moped, später mit dem Motorrad und dann mit dem ersten kleinen Automobil waren die Feste am Lande leichter zu erreichen. Die Mädchen wurden eingeladen und vor den Augen der Eltern abgeholt. Der Hin- und Rückweg gaben genug Gelegenheit, die Gespräche am Fenster zu ersetzen. Auf der Strecke blieb aber die Übung der musikalischen und poetischen Ader. Liebesbriefe hatten Saison, konnten aber das Rasplwerk am Fenster keinesfalls ersetzen.

Heute fallen die jungen Männer mit der Tür ins Haus, holen die jungen Damen ab und bringen sie wieder zurück. Tschüss. Kein Gasslspruch und kein Kirtagherzerl, kein Flüstern in lauschiger Nacht. Dafür aber ein SMS im Nachhinein: moagn wida um 9? Joe.

Und trotzdem hat sich die Liebesanbahnung zwischen jungen Leuten zum Positiven gewendet. Heute ist die ganze Familie beteiligt, wenn die Verehrer der Töchter ins Haus kommen oder die Söhne ihre Freundinnen mitbringen. Die Verliebten mögen ja trotzdem ihre kleinen Geheimnisse und romantischen Augenblicke haben. Letztlich aber trat damit eine Offenheit zutage, die Partnerwahl, Sexualität und Familienplanung ins Gespräch brachte und zur Emanzipation beigetragen hat.

 

Und wie ging es dem Hansl?

Hinterm Fenster ist kein Licht auszumachen und so spielt der Hansl gleich noch einmal sein Lied, klopft aber vorher leise mit der Mundharmonika an das Fenster. „Auf, auf, Diandl måch auf…“ trällert er nun lauter und von seinem Erfolg überzeugt. Mitten drinnen aber im musikalischen Liebesgeständnis, wird das Fenster aufgerissen. Der Hans hat nicht einmal Zeit, seiner Leni in die Augen zu schauen, da trifft ihn ein Schwall Schmutzwasser, er lässt die Mundharmonika fallen und klammert sich an die Sprossen. Bevor er die Augen wieder aufmachen kann, hört er, wie das Fenster geschlossen wird. Er rutscht die Leiter hinunter und steht als begossener Pudel plötzlich im fahlen Licht. Der Mond hat sich rechtzeitig aus dem Versteck geschoben, um den letzten Aufzug des Liebestheaters zu beleuchten. „Blöde Gans“, murmelt er und sucht seine Mundharmonika.

Der Autor verweist ausdrücklich darauf, dass er mit dem Thema keine Erfahrung hat und die hier beschriebenen Methoden des Fensterlns Mutmaßungen sind und keiner wissenschaftlichen Untersuchung standhalten müssen.