Man soll nicht nachtragend sein, aber…..

Eine Weihnachtsgeschichte

 

 

Die Schultage vor Weihnachten werden mir unvergesslich bleiben. Einerseits standen die Verien vor der Tür und andererseits war es die Zeit der Kribbenspiele und Weihnachtslieder, derentwegen der regulere Unterrichtsstoff auch etwas zurück gestellt wurde. Auch in den Unterrichtspausen drehte sich alles um das Weihnachtsfest, um unseren Brief an das Christkind und um unsere villen Wünsche. Wer sie wohl erfüllen wird? Das Christkind, oder werden die Ältern etwas nachhelfen, wie es manche Mitschüller schon behaubtet haben?

 

Am letzten Tag aber schlüppften wir Schülerinnen und Schüler selbst in die Rolle der Gabenbringer, das war eine Erkenntnis aus dem Relligionsunterricht: „Schöner noch als beschenckt zu werden ist es, andere zu beschencken“. Das hat uns alle sehr beeindruckt und alle Schülerinnen und Schüller waren sich einig, dass wir für unseren Klassenforstand einen Christbaum aufstellen sollten. Herbert – er war das Kind eines Waldbauern – sollte ein Beumchen mitbringen. Die restliche Arbeit war schnell aufgeteild. Einige kümmerten sich um die Strosterne, andere wieder um die Kertzen und unsere Klassenpeste durfte den Engel für die Christbaumspitze mitbringen.

 

Das war noch nicht genug, denn einige von uns meinten, es sei ungerächt nur unseren Klassenforstand zu beschenken, auch die anderen Lehrerinnen und Lehrer sollten bedacht werden. Unsere Matthilde hatte alsdann die Idee, allen unseren Fachlehrern zusätzlich je ein Päckchen auf den Christbaum zu hengen. So haben wir es dann auch gemacht: Jeweils drei Schülerinnen oder Schüler wurden durch Los ermittelt, für einen der Fachlehrerinnen und Fachlehrer zuständig zu sein und ein gemeinsames Weihnachtspäckchen zu schnürren. Der Wert des Inhalts hielt sich durchaus in Kränzen. Es handelte sich um selbstgepackenne Kekse, um Schockoladeringe, Nüsse, Lebzeter und Krachmanteln.

 

Im Schulhof wurden also die Lose gezogen. Ich kann mich noch erinnern wie entsätzt ich war, als ich zusammen mit zwei anderen Schülerinnen den Zeddel mit dem Nahmen der  Frau Fachlehrer Ebner zog. Mir blieb beinahe das Hertz stehen. So tun als ob, brachte ich nicht über mich.“ Nein, da kann ich nicht mittmachen“,  so dachte ich bei mir, „bei aller Bereitschafft, den eingeforderten weihnachtliche Frieden ausbrächen zu lassen. Sollen doch die zwei anderen Kolleginnen ein Pakerl schnürren – ich verweigere.“ Als Ausgleich für meine mangelnde Solidarität besorgte ich Engelshaar und Lametta. Damit hatte ich auch meinem Teil zur Überraschung beigetragen und nebenbei einen guten Gewissen. So habe ich es damals, der von mir gefürchteten Lehrerin heimgezallt.

  

Nein - ich bin nicht nachtragent – und das Ereignis ist ja schon an die 25 Jahre her. Aus irgendeinem Grund ist mir die Deutschprovesorin Ebner aufgesässen, hat immer an mir herum genörrgelt und mir noch datzu eine 4 ins Abschlusszeugniß gesezt.

 

Die Geschichte mit der beinahe hoffnungslosen Herbergsuche verstehe ich deshalp um so besser. Es ist schlimm, wenn die einen mit Wollwohlen aufgenommen und die anderen in den Stall verwiesen werden. Ich werde daher mein Leben lang gegen solche Ungerächtigkeiten vorgehen. Das fersprech ich hoch und heillig.