Wann beginnt Musik ?

 


Ja, der Beginn ist einerseits wenig spektakulär, denn der Druck-, Wipp- oder Drehschalter mit der Bezeichnung „Power“ ist auf jedem Musikschrank leicht zu finden. Die Zeiten sind vorbei, als wir Hand anlegen, als wir nämlich die Grammophonnadel noch selbst in die Rille setzen mußten. Und dann gibt es da noch die Musikanten, bei denen der Beginn von Musik von vielen Faktoren abhängt, sei es nun von der augenblicklichen Notwendigkeit - das Brautpaar erscheint! -  oder von der Gunst, die ihnen vom Publikum aus zufliegt - einen Liter für die Musik! Soviel zum Beginn von Musik.

Die Frage war aber anders gemeint: Es geht hier nicht um den Einschaltzeitpunkt von Musik, sondern darum, wann und wie denn die Musikalität in die Menschen hineinkommt, wann Töne zum ersten Mal eine Rolle spielen um aus uns dann ein Leben lang Musikhörern und Musiksänger zu machen. Da gibt es nämlich viele Irrtümer:

Dass man jemandem die Musikalität in die Wiege legen kann, ist nämlich nur eine Redewendung, ebenso aber, dass sie im Blut liege. Der Ausspruch: „Kein Wunder, der hat es von seinen Eltern“, ist da schon eher zutreffend, wenngleich es da noch Unsicherheiten gibt: Ist die Musik ein Zipfl von der Erbmasse, oder einfach nur eine Folge vom Mitgehangen-mitgefangen? Ist der Einstieg des Kindes in die musikalische Welt der Eltern nur naheliegend, weil die Eltern selber Musik lieben, Musik machen? Ist das Buberl aber deshalb begabt, weil es schon auf der Flöte kaut?

Es wäre zu schön, wenn die Entwicklung musikalischer Fähigkeit so einfach diagnostiziert werden könnte. Dem ist halt nicht so, denn wir haben es dabei mit einem kompliziert- kombinierten Vorgang zu tun: Bevor uns etwas in die Wiege gelegt wird, hören wir im „noch nicht da-Zustand“ was auf dieser Welt so alles rauscht, pulsiert und klingt. Wenn heute von musikalischer Früherziehung gesprochen wird, dann denke ich diese frühe Vor-Früherziehung immer mit, denn – so sagen es mir die Ärzte – wenn man nicht mit viel Harmonie ins Leben hineingeboren wird, dann hat man schon ein Stück versäumt: Die Ouvertüre.

Was also die Musik für das Ungeborene und Neugeborene, was sie für die allerkleinsten Erdenbürger ausmacht, das sollte uns mehr als bisher beschäftigen. Wenn es so ist, dass Harmonie und Geborgenheit, dass summende, lachende und singende Eltern auch ihre Kleinen musikalisch einfärben, dann ist es sonnenklar: Da wird uns kein Schulsystem und Lehrplan helfen, denn die erste Kompetenz liegt bei den Eltern. Jede Förderung von Musik – und so auch der Volksmusik – sollte diesen Fragen mehr als bisher das Augenmerk schenken.

Das Steirische Volksliedwerk hat sich in seinen Publikationen immer wieder mit der Musik in der Familie auseinandergesetzt und veranstaltet nun wiederum ein Seminar, um dieses Anliegen einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Zeitgleich erscheint ein neues Buch – Kinder singen und spielen für Kinder – das geeignet ist, jungen Eltern die hausgemachte Musikerziehung schmackhaft zu machen.