Wertvoller Kinderkram...

Spiele, Lieder, Sprüche und kleine Tänze der Kinder

 

Sie können sich bestimmt noch an die Auszählreime erinnern, die allesamt mit „...und draußt bist Du! „ geendet haben? So ein Sprücherl dient der Einhaltung der Spielregeln und der Einteilung des Spielablaufes. Wer nämlich übrig bleibt, muss das Spiel beginnen oder gar die anderen suchen. Viele kleine Hofspiele, wie auch das Gummihupf`n, leben von immer wieder neu erdachten Sprücherln: „Rucki zucki, Donald Ducky, Micky Mausi, eini außi“.

Ich kann mich erinnern, dass die Kinder am sandigen Wegrand oder im feinen Schotter die Kästchen für das Tempelhupfen gezeichnet haben. Für manche Spiele wiederum waren nur ein paar günstig stehende Obstbäume vonnöten, wie etwa für das Spiel: „Schneider leih ma d` Scha“. Oder aber der Platz zwischen dem Holzschuppen und der Garage für das Spiel: „Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann?“. Für die ganz Kleinen genügten allerdings die eigenen 10 Finger: „Das ist der Daumen, der pflückt die Pflaumen....“

Sie lassen uns ein Leben lang nicht mehr los...

Vielleicht haben Sie das Gefühl, dass all die Sprücherln, Lieder und Spiele schon entschwunden sind, dass sie von zeitgemäßer Kinderunterhaltung abgelöst wurden. Da mögen Sie zum Teil Recht haben. Sicher ist aber, dass vieles davon nur schlummert und darauf wartet, wieder gesungen und gespielt zu werden. Dabei geht es nicht um die Rettung des wertvollen, alten Kulturgutes, sondern vielmehr um die Weitergabe einer besonderen Qualität. Was meine ich damit?

Viele Spiele sind nur im Freien durchzuführen: In der Hofdurchfahrt,  auf der Schotterstraße, am Waldrand. Abgesehen davon, dass der Aufenthalt in der frischen Luft gesund ist, sind diese Spiele und Sprüche mit den Bildern des Elternhauses verbunden. Es ist nicht irgendeine Hofdurchfahrt, irgendeine Schotterstraße und irgendein Waldrand. Die Reime und Melodien aus der Kindheit sind von daheim, und damit ein Stück Geborgenheit, die uns ein Leben lang nicht mehr loslässt. Zudem sind Kindersprüche auch Sprachübungen und regen an, mit den Worten zu spielen. Auch dabei handelt es sich um einen Schatz, für den es sich lohnt, im Gedächtnis der eigenen Familie zu stöbern.

Und die Kinder-Unterhaltungsindustrie?

Sie bietet Kindlichkeit am laufenden Band. Nicht nur im Fernsehen, sondern auch im Buch- und Spielzeugladen. Kann denn „Alle meine Entchen...“ im Elektronikton überhaupt mit Musik in der Familie verwechselt werden?  Die in der Familie beheimateten Kinderlieder und –spiele klingen vielleicht nicht fertig, sie sind eben keine Fertigware. Das macht ihre Qualität aus, denn sie müssen für den rechten Augenblick immer wieder neu hervorgeholt werden. Es gibt sie nicht, wenn wir sie nicht selber hervorholen und weitergeben. Die Gefahr des Vergessenwerdens ist also gleichsam auch die Triebfeder der steten Erneuerung.

Wie steht es also mit den kleinen Schätzen in Ihrer Familie? Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie nun schon in der Erinnerung fischen? Großvater und Großmutter, aber auch die Tante und der Onkel – alle haben dazu beigetragen, dass diese kleinen Werke der Sprach- und Musikerziehung noch im Hause sind. Worauf warten Sie noch? Zählt das Sprücherl: „Meine Mu meine Mu meine Mutter schickt mich her...“ auch zu Ihrem Familienbesitz?

Kinderlieder sind Familienbesitz

Kinderlieder gehören zum Haus und Hof. Da geht es um einen Familienbesitz ohne Grundbucheintragung, dafür aber um einen, der im Gedächtnis bleibt und den nächsten Erdenbürgern wieder mitgegeben wird. Zu empfehlen: Sammeln Sie die Sprücherl, Spiele und Kinderlieder Ihrer Familie, legen Sie ein kleines Heft an. Dann fällt es nicht schwer, sie auch wieder zu verwenden.

Gerade erst ist eine Sammlung alter Kinderlieder, -sprüche und –spiele erschienen. Sicher werden Sie darin einiges aus ihrem Familienbesitz entdecken. „Kinderlieder hopsassa!“ ist eine bunte Mischung mitreißender Lieder für die ganze Familie. Das neue Buch macht es möglich: Wieder mehr singen und mit den kleinen Melodien groß werden dürfen.