A Zither und a Geign und a Ziachharmonie…

 


Wenn Sie ganz genau in Ihren Melodieerinnerungen nachfragen, so werden Sie – so wie ich - auf recht eigentümliche Textstellen stoßen. Nicht immer sind es nämlich zusammenhängende Strophen und Inhalte. Wir bedienen uns auch gerne der salopp hingelegten Einzeiler und Wortfetzen. Beim Radetzkymarsch habe ich früher gerne zur ersten Melodie „Wenn da Hund mit da Wurst übern Eckstan (Eckstein) springt…“ gesungen. Zum neapolitanischen Volkslied „Funicoli funicola“ (Komponist Luigi Denza 1846-1922) trällerten wir stets: „Da Stier von Barcelona gibt koa Müch (Milch) mehr, drum stechts eahm å...“. Viel bekannter ist aber „Rosamunde, schenk mir dein Sparkassenbuch…“ Es bleibt meist bei den wenigen Worten und wir summen die Melodie lächelnd weiter...

Solche Texteinwürfe haben nur hie und da mit dem Originaltext zu tun. Neuschöpfungen sind aber keinesfalls nur aus der Luft gegriffen. Oftmals scheint es nämlich so, als würde die Melodie die Worte geradezu herausfordern, wie etwa beim ersten Teil des berühmten Herkuleswalzer, zu dessen Halbschluss wir gerne „Komm zurück, falsches Stück…“ singen. Einmal gesungen, werden diese kleinen Werke weitergegeben und kleben in unserer Erinnerung so lange, bis die Melodie wieder erklingt. Schwups, werden Text und Melodie zueinander gefügt. Schon die allerkürzesten Textstellen – „Jå, mir san scho wieder då…“ ermöglichen es uns, nicht nur beim „Trallala“ bleiben zu müssen.

 Ja, und mit langen Originaltexten haben wir ebenso Probleme und singen auf Sparflamme. Das beste Beispiel aus den Ballsälen: Jeweils vier Takte lang ertönt das überzeugende „Wiener Blut, Wiener Blut…“. Den Rest sparen wir uns und begleiten mit hm ta ta…

Die Tanzmusik – ob nun modern oder traditionell – lebt von solchen prägnanten Textstellen, deren weite Verbreitung auch Beheimatung spürbar macht. Immer wieder werden vom Publikum gerade diese Tanzlieder und Schlager verlangt. Ein Beispiel dafür ist der Polkatext „A Zither und a Geign und a Ziachharmonie  …. und a Båss“. Mehr enthält der Text nicht, er wird als Stilleben einfach so hingeworfen. Eine Aufzählung ohne Aufregung also und doch impliziert der Text jene Stimmigkeit, die eben solche Instrumente erzeugen können.

Eine besondere Spezialität sind wiederum jene Lieder, die aus einer anderen Sprache in die unsere übersetzt – und dabei verulkt - werden. Der italienische Text „Marina, Marina, Marina, ti voglio al più presto sposar …“ wird zu „Marina, Marina, Marina, i wåsch da mit Presto die Füaß …“ Dabei wird das italienische „presto“ weil es wie ein längst aus den Läden verschwundenes Waschmittel klingt, tatsächlich zum Waschmittel. Geradezu unglaublich ist die weite Verbreitung dieser Textstelle in ganz Österreich.

Soviel zur Herkunft, zum Gebrauch und zum Inhalt dieser kleinen Kostbarkeiten, die uns für Augenblicke zum Interpreten und damit glücklich machen.