Ållweil sågga, sågga......

 



Warum manche Lieder in Vergessenheit geraten, andere über Jahrhunderte Bestand haben und einige plötzlich wieder entdeckt werden, das ist rätselhaft. Deshalb hab’ ich mir die Erklärung so festgelegt: Die Lieder fließen durch einen Trichter und dann durch ein grobes und zuletzt feines Sieb. Was daneben fällt ist in Vergessenheit geraten und was stecken bleibt, schlummert im Volksliedarchiv.

Die Lieder aber, die gerade gesungen werden, haben ganz unterschiedliche Qualitäten. Da reizt uns die Melodie und da der Text. In vielen Fällen passen die Lieder auf uns oder eine Situation wie maßgeschneidert. Dazu gehören auch jene Lieder, die uns Spielraum für eigene Einfälle geben und zum Weiterdichten reizen. Darunter gibt es wiederum welche, die durch gefinkelte Textanordnung einen besonderen Anreiz zum spontanen Dichten bieten. Ich denke dabei an die vielen Zweizeiler, die besonders leicht weiter zu spinnen sind, wenn dazwischen einige Jodlersilben Zeit dafür lassen. Das sind die kurzen Augenblicke, in denen der nächste Reim aus dem Hut gezaubert wird. Etwa so: I bins a junga Wildbratschütz / triholio hollareitulio / i bin gern obn am Berg sein Spitz / triholio hollareitulio.

Ähnlich aber verhält es sich beim Sågga-Lied, dessen scheinbar monotone Wiederholung des „Sågga“ der Fortsetzung ins Unendliche dient, nachdem die Standart-Strophen gesungen sind. Für alle, denen die Übersetzung von „sagt er“ in die Mundart noch nicht bekannt war, ist das Rätsel hiermit gelöst.

Ob seiner oben beschriebenen Vorzüge hat sich dieses Wiener Theaterlied (Aus: „Die moderne Wirtschaft oder Don Juans Streiche“ ) sehr schnell verbreitet. Von Vinzenz Maria Süß wurde es 1867 publiziert. Im Steirischen Volksliedarchiv gibt es Nachweise, die auf das Jahr 1890 (Kalwang, Lind bei Leibnitz) zurückführen. Es ist in verschiedenen Liederbüchern gedruckt worden, z. B. auch in Max Rosenzopfs Harmonikaausgaben als „Der guate Råt fürn Nåchbårn Lipp“. Der Steiner Franz hat sich um die Beliebtheit des Liedes verdient gemacht, indem er es mit seiner sonoren Stimme immer wieder in Radio Steiermark gesungen hat. Franz Fuchs aus Klosterneuburg wiederum hat es in seinem Büchl „Der Papa ist farbenblind“ gedruckt, mit immerhin 21 Strophen, davon sind mehrere von ihm „selbst gestrickt“. Um Ihnen nahe zu legen, sich auch im Sågga-Rhythmus zu versuchen, hier eine eigene Kostprobe exklusiv für diesen Beitrag:

Wånnst im Vierzeiler - sågga - drinnen schreibst, sågga,
ån der Meinung - sågga - der åndern di reibst, sågga,
kånn `s ziemli leicht – sågga – går passiern, sågga,
dass die Leut – sågga - des Abo storniern.