Weit eini, weit aussi…

 

 

Neue Liedtexte sind in den meisten Fällen Ausdruck der Sehnsucht nach emotionalen Inhalten, ein Herbeisehnen von längst verblichenen Bildern. Wer sich mit neuen Liedtexten intensiv beschäftigt, unterscheidet bald zwischen Inhalten, die Klischees behübschen und andererseits einer aus dem Leben gegriffenen poetischen Erzählkunst. Friedrich Gumpold (1943 bis 2002) war so ein Glücksfall für die Volksliedlandschaft. In Öblarn geboren und aufgewachsen, später in Mautern wohnhaft, hat er den Kontakt zu seiner angestammten Heimat nie ganz verloren. Seine Witwe, Frau Margit Gumpold, verwaltet sein musikalisches Erbe und sie wird seine musikalische Leidenschaft wohl nie vergessen.

Der Fritz hat schon als Kind, statt die Zeit auf der Schulbank zu verbringen, lieber Schafe getrieben – tief hinein in die Sölktäler. Später hat er zusammen mit seiner Frau Margit alljährlich seine Verbundenheit mit dem Ennstal aufleben lassen. Das „Schåfsuachn“ – oftmals im einfallenden Schneetreiben -. war ein gefährliches Unterfangen, denn es galt, die verloren gegangenen Schafe im unwegsamen und nebeligen Gelände aufzufinden und wohlbehalten ins Tal in den heimatlichen Stall zu bringen. Die mühevolle Arbeit wurde aber auch belohnt: Sie fand ihren Abschluss beim geselligen Schafbratlessen, wechselweise auf einer der gastlichen Hütten der Almbesitzer der verzweigten Seitentäler des Ennstales.

Das Leben in den Bergen, die Verbundenheit und Sorge um das Vieh, die Begegnung mit den knorrigen Bäumen wie auch Menschen und seine Einsatzfreude bei der Bergrettung, das war Gumpolds reiches Leben. Und weil zu seinem Lebensatem auch der Gesang und die Musik gehörte, ist es auch nicht verwunderlich, dass in ihm eigene Lieder entstanden sind. „Weit eini, weit aussi…“ erzählt vom Schaftreiben und die spätherbstliche Abschiedsituation in den Bergen. Mit seinem Lied – hinterlässt der Gumpold Fritz seinen Freunden ein tiefsinniges Vermächtnis: Es ist nicht nur das Glückgefühl auf der Alm verpackt, sondern auch seine ganze Liebe zum Almleben, die er mit so viel Poesie erzählt.