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Auslöser war mein damals zweiter Berufsweg, ein neues Arbeitsfeld, das Eintauchen in ein der Musik gewidmetes Berufsleben, welches ich aus der Praxisetage  schon kannte und welches sich nunmehr in einer überraschenden Ernsthaftigkeit über meine Unbedarftheit hermachte. Freilich, es gab ideologische Nachwehen zum Thema, die ich erst erlesen musste um zu verstehen, warum Volksmusik nicht für alle den gleichen Klang hatte. Es gab die Geister der harten Linien und die Kleinkarierten, während im selben Garten die Tiefwurzler den musikalischen Wildwuchs belegten. Kulturarbeit am Schlachtfeld also.

 

Auf ins Schlachtfeld 

Ich war aber mutig und rigoros in meinen Ansichten, unvorsichtig und unvoreingenommen. Das konnte ich mir als Nichthistoriker und Nichtmusikwissenschaftler leisten und einfach neue Begriffe für Abgegriffenes einsetzen. Ebenso war mir mein Musikerdasein behilflich, weil so manche Inhalte einfacher zu spielen als zu zerreden waren. Und: Ich konnte mir als Nichtpädagoge andere Zugänge und Methoden einfallen lassen und als Unternehmersohn die 40 Stunden-Woche beliebig verlängern, ohne mit dem einschlägigen Ruf des Beamtendaseins in Konflikt zu kommen.

 

Aber zurück zum Verschriftlichen:

Als Nichtjournalist musste ich erst eine Zeitschrift gründen, weil ich es allen sagen wollte, nämlich, dass das Singen allen gehört und dass die Rede von der Begabung eine liebe Ausrede ist. Gegen so viele Vorurteilüberlieferungen anzuschreiben war ein schöner Auftrag, den ich mit Fotos noch zu unterstreichen versuchte. Nicht immer waren es Komplimente die mich erreicht haben, ich hatte aber Verständnis für das Ungemach der bislang mit der Sache befassten Kolleginnen und Kollegen. Im Vollbesitz meiner jugendlichen Kräfte und der Negierung des eigenen Ablaufdatums formulierte ich Thesen und  Appelle zu den mir anvertrauten Themen.

In mir tobten Begeisterungsstürme. Die wenige erlebte Erfahrung und das noch weniger vorhandene historische-fachliche Wissen ließen mich hineingreifen in den Bereich der Intuition und des impulsiven Botschaftens. Ich bespickte gerne meine Reden mit selbst gesungenen Melodien, holte die gepflegte Volksmusik vom Podium und die ungepflegte Wirtshausmusik auf das Podium. Nicht um zu provozieren – sondern aus Überzeugung. Ob solch großzügig ermöglichter Freiheit des Geistes und der schreibenden Finger ist Dankbarkeit angesagt: Meinem Arbeitsgeber, dem Land Steiermark, der mich werken und wirken lies, ohne zu wissen, was denn der Härtel da tut. Bedankt sei auch meine Frau Ingeborg. Auf ihrem Nachtkästchen landete jedes Schriftstück, um von ihr jenen Zuspruch zu erhalten, den einer wie ich brauche, dessen Leben auf Unmittelbarkeit eingestellt ist.

 

Bibliographie zu Lebzeiten

Die Möglichkeit der Aufarbeitung meiner umfangreichen Bestände verdanke ich meinem Dienstgeber, der meinem Ansinnen zustimmte, im beruflichen Exil diese Bibliographie zu Lebzeiten zu erstellen. Ja, und nun hat sich das Sammelsurium hier versammelt und kann gelesen werden. Zum großen Teil handeln die Schriftstücke von meiner bereits erwähnten zweiten Berufslaufbahn, während ein kleinerer Teil zuvor und danach entstanden ist und somit meine ungebremste Freude am Schreiben widerspiegelt. Während alles, was ich je verfasst habe hier dokumentiert ist, ist nicht alles für den Internet-Nutzer frei verfügbar. Es geht dabei teils um Unfertiges, aber auch um persönlich gefärbte Schriftstücke oder Widmungen, die nicht im Interesse der Allgemeinheit stehen und unter Verschluss gehalten werden.

 

Die Leidenschaft eines Besessenen

Wenn sich nun die Frage nach dem nunmehr späteren Wert meiner schriftlichen Ergüsse ergibt, so gebe ich mich zurückhaltend: Meine Botschaften sind in jener Zeit zu sehen, in der sie entstanden sind. Sie sind ein Zeugnis von Arbeitskraft, die über den Kopf zur Verwirklichung findet und ebenso ein Zeugnis der Leidenschaft eines von den Möglichkeiten der deutschen Sprache Besessenen. Ich bilde mir ein, dass ich auch in einer anderen Berufssparte erfolgreich gewesen wäre, als Kaminkehrer, Sägwerksbesitzer oder Gastwirt. Die Volksmusik war mir durch Zufall  begegnet.  

Achtung: Seien meine Appelle noch so feurig formuliert und eindringlich pointiert, nach mir Tätige mögen es nicht als Festgeschriebenes betrachten, vielmehr selber nach Antworten suchen und mit dem Herzen erfahren und daraus wieder Botschaften ausposaunen. Das bleibt jemanden, der Kulturarbeit ernst nimmt, einfach nicht erspart.

 

Erspart bitte den Wahnsinnigen die Evaluierung

Das Zustandekommen dieses Gesamtwerkes und die damit verbundenen Zufälligkeiten des Lebens sind zudem ein Appell, die Wahnsinnigen unter uns nicht zu stoppen und ihnen das Gefasel von der Evaluierung ihres Tuns zu ersparen. Ich für meinen Teil lasse das alles im (virtuellen) Raum stehen und bin einigermaßen stolz darauf, dass ich einen Teil meines Lebens der Musikalität meiner Landsleute widmen durfte. 

  

     Hermann Härtel

 

 

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