Ein Admonter Liederbuch

 

Ein Liederbuch erscheint, sorgsam zusammengetragene Klangbilder, mit viel Respekt behandelt, in vielen Einzelgesprächen erhoben, in Archiven ausgegraben. Es gibt Einblick in das vielfältige Musikleben und auch in die ebenso vielfältigen Strömungen zwischen Kunst und Volkskunst, zwischen bewusstem Musikschaffen und spielerischem Umgang im Zuge musikalischer Kommunikation. Und - es unterscheidet sich von vielen anderen Sammlungen, weil es um besondere Menschen in einer besondere Landschaft - ja, um die Einmaligkeit im Zusammenspiel regionaler Lebensformen geht. Es ist eine liebevolle Zuwendung zu vergangenen Zeiten, zur Musikalität der Vorfahren, ihrer Sprache, Arbeitswelt und Poesie. Dafür gebührt dem Sammler und Herausgeber der besondere Dank des Steirischen Volksliedwerkes. Als Hüter des großen Schatzes im Steirischen Volksliedarchiv sind wir an solchen regionalen Denkmälern der Volksmusik besonders interessiert.

 

Der saloppe Ausspruch „ Liederbücher singen nicht...“ hat mir seinerzeit so manche Kritik eingebracht. Freilich ist an der Formulierung etwas Wahres daran, es war aber weder beabsichtigt, unsere Institution als Herausgeber von Liederbüchern und Liederbücher als solche in Frage zu stellen. Natürlich ist mit der zunehmenden Verschriftlichung, der fruchtbare, bewährte Weg mündlicher Überlieferung mehr und mehr verlassen worden. Wo ist aber der Erfolg der reichlich vorhandenen Verlagsausgaben geblieben? Wird nun mehr gesungen? Unser Archiv platzt aus allen Nähten! „Liederbücher singen nicht ...“ war also der treffende Hinweis, dass wir uns unserer Lieder annehmen müssen. Es nützt nicht, wenn sie uns den Buchrücken zeigen.

 

Wie bekommen unsere Lieder aber einen neuen Stellenwert? Merke: Nährboden ist unsere Neugierde, unser ausgeprägter und ausgewogener Sinn für Tradition und Innovation. Je mehr wir an unsere Umgebung Lebensqualität erkennen, sie selbst in die Obhut nehmen, die Einbettung in die Geschichte unserer Heimat wahrnehmen, desto eher werden uns die eigenen Lieder auf die Lippen springen.

 

Diese schönen Zeugnisse regionaler Musikkultur mögen die Kenntnisse über die nähere Umgebung ergänzen und - als Steigerung - beim Singen die Beziehung zur Heimat vertiefen.