Liederbuch Hebalm-Pack

 

Zu früheren Zeiten wurde beim Inhalt von Liederbüchern Allgemeingültigkeit angestrebt, also eine Auswahl getroffen, die auf möglichst viele Menschen zutrifft. So sind viele Sammlungen entstanden, die auch überregional ein gemeinsames Singen ermöglichten. Dazu zählten auch die Schulliederbücher, denen es zu verdanken ist, dass es heute immer noch viele Lieder gibt, die vielerorts bekannt und beliebt sind, wie etwa „Znachst hån i a Roas gmåcht“ , „Übers Bacherl bin i gsprungan“ und „Wohl in dem Schneegebirge.“

 

Durch diese Bestrebungen sind natürlich viele ortsgebundene Varianten und Heimatgesänge unter den Tisch gefallen. Sie wurden nicht für wert genug gefunden, im allgemein gültigen Liederbuch aufgenommen zu werden. Dazu gehören vor allem auch die Ortshymnen und Heimatlieder. Was ist mit diesen Liedern geschehen? Sie wurden - auch ohne die Verbreitung durch Liederbücher – bis heute von Mund zu Mund überliefert. Diese Lieder stellen heute einen neu zu entdeckenden Schatz dar.

 

Heute wissen wir aber auch, dass der Wildwuchs an regionalen Varianten und die textlichen Eigenschöpfungen des Augenblicks das besondere Merkmal von Volksmusik sind. Dies verhält sich durchaus ähnlich wie bei der regionalen Küche, den unzähligen mundartlichen Färbungen und Ausdrücken, den tausendfachen Familiengeschichten und den vielen handwerklichen Kenntnissen unserer Landsleute: Sie sind uns deshalb so wertvoll, weil sie unvergleichlich sind.

 

Die Liederbuchreihe „Lieder der Regionen“ soll also den köstlichen und kostbaren Nuancen an musikalischen und poetischen Einfällen gewidmet sein und auf die Singgepflogenheiten in den kleinsten Gemeinschaften und Tälern Rücksicht nehmen. Anlässlich unserer Forschungsfahrten tauchen immer wieder solche, scheinbar verschollene Lieder auf, mitunter sind es aber die von uns sehr geschätzten, privaten Liedersammler, die uns ihre Ergebnisse zur Drucklegung anvertrauen. Ihnen sei hier besonders gedankt.

 

„Lieder der Regionen“ wird nunmehr seinen Siegeszug antreten, denn viele Gemeinden und Regionen haben ihr Interesse angemeldet: Sie möchten ein eigenes, auf ihre Wünsche abgestimmtes Liederbuch zur Hand nehmen können, wenn sie ihre kleinen und großen Feste feiern. Unser Volksliedwerk stellt die fachliche Kompetenz zur Verfügung und verführt ebenso zur Begeisterung am Singen. Singen macht Sinn, denn Lieder sind einerseits eine Form von Wertschätzung in Richtung unserer Eltern und Großeltern, andererseits aber weckt das Singen die Freude an der eigenen Ausdruckskraft und schärft die Sinne für Tradition.

 

Das ist kein Bücherl mit alten Liedern, denn Lieder sind erst alt, wenn sie nicht mehr gesungen werden!