Ein schönes Nest am End der Welt - Trattenbach einst und jetzt

 

Um keinen geringeren als Stephan Mautner (1877 - 1945 (?) - den Bruder des uns bekannten Volksliedsammlers Konrad Mautner - geht es in diesem Beitrag. Die Autorin Elisabeth Schawerda (morgen 89/90) wandert mit Mautners Buch, das er während des 1. Weltkrieges über sein Heimatdorf geschrieben hat, durchs heutige Trattenbach, einer Ansiedlung zwischen Hochwechsel und Sonnwendstein gelegen. In den Zeilen liest man den Respekt vor Mautners Liebe zu den für seine Kindheit so bedeutenden "ersten Male" und in die Erinnerung eingehenden prägnanten Sinneserlebnisse. Mautners Heimatbuch - und ein solches ist es - steht hier in keinem Widerspruch zur heutigen Bestandsaufnahme der Autorin, die Schritt für Schritt Vergangenheit und Gegenwart ineinanderfließen lässt und beschreibt. Zeugnisse einer blühenden Vergangenheit sind ein Teil des gegenwärtigen Heimatbegriffes geworden. Der Lauf der Dinge erhält aber Oberhand gegenüber dem Festhalten des Augenblicks.

 

Zitat: "Die Menschen von heute tragen noch die Namen von damals. Fast alle im Buch erwähnten Namen sind noch im Dorf zu finden. Aber die Erinnerung nicht. Was hat sich verändert in den siebzig Jahren? So gut wie alles, sagen die Leute, zufrieden, bescheiden und stolz zugleich. Ich aber, der flüchtige Besucher, glaube, noch immer am Ende der Welt zu sein."

 

Es täte uns gut, den Umgang mit dem oftmals verklärten Erbe zu üben. Aus der Akzeptanz der Kräfte der Zeit öffnet sich dann auch der Blickwinkel auf die großen Zusammenhänge, die aus "Einst oder Jetzt" ein "Einst und Jetzt" ermöglichen.

 

Heutzutage ist wohl so mancher Aufschrei widersprüchlich. Vor allem jener, der lautstark erfolgt und sich gegen die Lärmbelästigung richtet. Ein anderes Beispiel: Journale sind gefüllt mit guten Ratschlägen zum Thema Umweltbelastung - meist ist eine 20 dkg-Wochenendausgabe gekoppelt mit dem 30 Seiten-starken Motorjournal.

 

Und in unserem Bereich: Das Volksdümmelnde ist immer wieder einmal Thema der Kommentatoren, auch wenn im gleichen Blatt derselbe, erst kritisierte Klamauk keineswegs platzsparend und überaus farbenfroh hinausposaunt wird. Der Jodldodl-Bericht ist damit so obligat wie der Wetterbericht, auf dessen Wahrheitsgehalt wir längst nicht mehr bestehen. Welche Ähnlichkeit!