Musik von unten

Die musikalische Spielwiese

  

Zuallererst bedarf es also der freien Entfaltung, der Probierphase. In jungen Jahren lernen wir am Spielplatz, im nahen Wald und am Bachrand die Balance zu halten, wir lernen abzutasten, wie weit wir den Anordnungen der Eltern Folge leisten müssen, ob wir schon eigene Entscheidungen treffen können und dürfen. So erlernen und übernehmen wir auch Traditionen.

  

Musik hat seine größte Bedeutung in dieser ersten, familiären und spielerischen Phase. Dabei wird vieles mündlich übernommen, manches unwiderruflich gespeichert und zum Standard erhoben, weil uns Worte und Klänge täglich begegnen. Dazu gesellen sich die ersten Eindrücke in der Schulzeit, sie erhalten ebenfalls ihren festen Platz im Gedächtnis. Ja, und später mischen sich die ersten Erfahrungen mit den gerade aktuellen Trends, das ist die Phase der Entdeckung neuer Welten.

 

Musikalische Traditionen sind von allem Anfang an dabei, etwa die kleinen Melodien die Mutter zum Schlafengehen gesungen hat, die volkstümlichen Klänge die ein Nachbar aus der Harmonika gelockt hat. Erst viel später entdeckt man diese Fragmente im eigenen Gedächtnis und es gibt meist einen wichtigen Anlass, warum sie nun wiederentdeckt werden: Kinderlieder braucht man erst, wenn man selbst Kinder oder Enkelkinder hat. Und: die alten Lieder und Musikstücke sind ein Teil dessen, was wir Beheimatung nennen. Die brauchen wir umso mehr, wenn wir uns nach der Berufsausbildung niedergelassen haben, wenn der Gedanke an das Weitergeben fußfassen kann.

 

Volksmusik entsteht also aus der Erinnerung an die Vorbilder und aus der Notwendigkeit der musikalischen Begleitung des Lebens- und Jahrlaufes. In ihr erkennt man das Potential künstlerischer Fertigkeiten und neben dem spielerischen Umgang, eine durchaus innovative Gestaltungskraft. Volksmusik ist somit ein Teil von Selbstversorgung, der Bewährtes transportiert und Neues entstehen lässt. Der einst freie Umgang mit der Musikalität wurde gerne in den Gaststätten ausgelebt. Hohe Fertigkeit beim Singen und Musizieren war das Ergebnis dieser musikalisch-poetischen Spielwiese. Das ist eine Kultur, die Generationen überspannt, das ist eine Kultur die Überlieferung ermöglicht.

 

Es liegt daher nahe, unsere Gasthöfe als Kulturstätten auszuzeichnen, denn in der Gastlichkeit steckt seit jeher der Keim für vielerlei Lustbarkeiten. Wer das Singen, Musizieren und Tanzen fördern möchte, sollte den allerorts bereits vorhandenen Humus der Geselligkeit nützen