Der mobile Tanzboden

 

Früher einmal, als jedes Dorf noch bäuerliche Struktur aufwies, hatte jedes Anwesen auch seinen Holzplatz. Bretter und Pfosten sind in weiser Voraussicht gelagert worden, um sie bei der Hand zu haben, wenn da und dort eine Verbesserung an Haus und Hof durchzuführen war. Diese Lagerstätten sind bereits selten geworden, denn in den Dörfern gibt es nur mehr wenige Landwirte, Holzlatten und Bretter holt man sich bequem beim Sägewerk oder gar beim Baumarkt.

 

Diese früheren Holzlager sind aber auch gebraucht worden, wenn ein Dorffest, eine Hochzeit ins Haus stand. Schnell hatte man aus den Pfosten und Brettern einen Tanzboden gezimmert samt dem Schießstand und der Ausschank. Später haben sich manche Vereine oder auch Gemeinden einen Tanzboden zugelegt. Er wurde gut gelagert und mit einem Traktor immer wieder zu einem anderen Fest transportiert. Diese Tanzböden sind aber eher selten anzufinden und bedürfen umfangreicher Vorbereitungen, bis sie betanzt werden können.

 

Mit zunehmendem Wohlstand werden Feste und Feiern heute aber immer mehr in den privaten Bereich verlegt. Man möchte seinen Gästen auch zeigen, wo man haust und eine unvergleichliche Party geben, ganz persönlich gefärbt. Gelungene Feste haben - so spricht die Erfahrung - eine Infrastruktur, nicht nur was die Versorgung mit Essen, Trinken, Musik betrifft, sondern auch was die Anordnung der Sitzplätze, die Einbettung des Geschehens in eine angenehme Umgebung, eben auch den Mittelpunkt eines Festes betrifft. Tanzböden sind da eine ideale Ergänzung, sie sind zugleich auch Bühne, von der aus die Hausfrau das Fest eröffnet. Sie geben aber auch Gelegenheit, ein altes Ritual zu pflegen: Die Eröffnung des Tanzbodens durch die Gastgeber, die Absolvierung der Pflichttänze. Tanzböden sind dann aber auch gleich von den Kindern belebt, die auf der glatten Fläche die ersten Schritte im Takt versuchen. Tanzböden sind das Podium für kulturelles Handeln, Anlass aus der Beliebigkeit und Fun-Kultur herauszutreten. Was hier für die kleinste Einheit der Unterhaltung – im Familienkreis – gemeint ist, gilt so auch für jedes Fest in größeren Gemeinschaften, in Nachbarschaft, Gemeinde und im Vereinswesen.

 

Die Kreation eines neuen Tanzbodens, der auf Tour geht und die damit verbundene sympathische Aufforderung zur Selbstinszenierung und Verfeinerung der Begegnungskultur erklärt Kulturarbeit schlechthin: Hier wird der Boden bereitet! Hopp, zack und fertig, das fest kann beginnen……