Die ganz normale Revolte gegen den Strich: Netnakisum 

 

Wenn sie die Bühne stürmen, schwingen die signalfarbenen Dirndln um die Hüften. Da kokettieren Traditionen mit Erotik, wobei sich der überzogene Trachtenlook als Persiflage auf die in unseren Landen verbreitete „war so und bleibt so“ - Mentalität entpuppt.  Provokation ist aber nicht ihr Geschäft und auch nicht ihre Absicht, denn ihr Outfit ist Accessoire zum Spiel mit den Gegensätzlichkeiten. Netnakisum verdrehen sich selber und vorgefasste Bilder ihres Publikums – und es bleibt nicht beim Wortwitz und beim plakativen Bühnenbild: Das Streichquartett überzeugt durch Professionalität und Spritzigkeit und das in allen nur denkbaren Varianten des globalen Klanges der Musik.

 

Sie wurzeln in der heimischen Volksmusik, genossen später eine profunde Musikausbildung, verinnerlichen die Musik der Völker und spielen sich mit den Tönen, wie andere mit den Bügeln ihrer Sonnenbrille. Wer meint, dass damit eine Damenband zur Genüge beschrieben ist, wird eines Besseren belehrt: Sie sind zudem ausgezeichnete Vokalistinnen und verbinden vollendet den Gesang mit der Streichmusik. Es ist eine faszinierende Übereinstimmung der Strichcodes der Stimmen mit der instrumentalen Tonerzeugung.

 

Wenn solchermaßen der musikalische Globus auf den Kopf gestellt wird, so verwundert es auch nicht, dass die vier Nennirekisum (Musikerinnen) das Werkverzeichnis dieser Welt bereits um eigene Kompositionen erweitert haben. Von den Damen ist also noch einiges zu erwarten. Frei nach Reinhard Mey und doch abgeändert: Erbarmen, Musikantinnen sind in der Stadt…