Irgendwie war die Zeitung - vielleicht im Gepäck eines Wanderers - in die Almhütte gekommen. Zurückgelehnt im Herrgottswinkel, das diffuse letzte Licht des späten Abends nutzend und den Takt der Wanduhr im Ohr, erschlugen mich die Schlagzeilen: Von den Studenten, die nun die Unis stürmen, dem Bollwerk gegen die Türken, vom Netzwerk des Bösen, den Bomben gegen die zivilisierte Welt, von aufgelassenen Rennstrecken und hungernden Tiergärten, von gesetzlichen Sperrstunden und gekipptem Schulpaket, vom weißen Hai und blauen Orangen. Ja, die Politiker zeigen neuerdings scharfe Kanten, die sich nach der Wahl nahtlos abgeschliffen zu neuen Profilen verarbeiten lassen.

  

Insel der Seligen

 

 

 

Hier auf der Alm atme ich die Almruhe ein, die simplen Gesetze des Werdens und Vergehens. Die Knappheit an Humus auf dem eine Blume neben der anderen gedeihen kann. Bis zum Horizont keine störende Üppigkeit und kein Trugbild, sondern klare Linien mit den Zeichen der Unverrückbarkeit und Gelassenheit. Selbst der Stacheldraht wirkt friedlich und hat mit dem  Rost - was das Ablaufdatum betrifft - ein Übereinkommen getroffen. Die Hütten sind klein, die Menschen großherzig, die Worte sparsam, die Kaffeehäferl angeschlagen und der Gesang inbrünstig.

 

Wer sagt denn, dass wir diesen Ort wieder verlassen müssen? Inzwischen hat es zu regnen begonnen. Es ist Zeit, den Ofen in Betrieb zu setzen. Her mit der Zeitung…