Nach dem Leben gefragt, sagte der alte Schneiderbauer: „Es ist ein Kommen und Gehen“. Der Mensch hält sich also mit dem Dasein nicht allzu sehr auf, weshalb er zumindest die beiden Enden mehr beachten sollte. Zuerst die Geburt: Die Ankunft des neuen Mitbürgers im Nachbarhaus ist heute nicht am Geschrei und nicht an der Babywäsche zu erkennen. Nein, wir erfahren davon meist per Telefon. Der heute übliche Geburtsort also – es ist meist das nächste Krankenhaus – entfernt uns von der Dramatik des Geborenwerdens.

 

Und der Abschied vom Leben? Auch ihn halten wir von uns fern, er findet in Heimen und Krankenhäusern statt. Sterben erleben wir ebenso als Nachricht durch die Telefonleitung. Kein Geländer hilft uns, keine Treppe führt uns durch Verlust und Schmerz.

 

Lieder zur Totenwacht

 

 

Die alte Form der Hausaufbahrung und des mehrtägigen Abschieds, hatte also doch ihren tiefen Sinn: Mit dem Verstorbenen noch zu wohnen, ihn Gastgeber sein zu lassen, ihn noch einmal in den Mittelpunkt zu rücken, ihn anzusingen, ihn selbst aus den Liedern sprechen zu lassen. Gebete und Lieder sind hier Ersatz für den Verlust der Worte und Sammelstelle des gemeinsamen Denkens und Dankens. Wer jemals so Abschied genommen hat, weiß um die tröstliche Wirkung der schönen alten Melodien und die darin versteckte Hilfestellung für die Zurückbleibenden.

 

Eine kleine Auswahl solcher Lieder zur Totenwacht ist nun im Steirischen Volksliedwerk erschienen. Die Lieder eignen sich für den Abschied im Trauerhause, in der Kirche oder auch an der Grabstätte.