Der Zapfhahn saß noch nicht im Spund, da waren die Musikanten schon bereit, die Instrumente gestimmt, der Hut in die Stirn geschoben. Sie haben sich zurückgelehnt und die Mittagsonne auf die Nase scheinen lassen. „Keinen einzigen Ton gespielt und schon so durstig“, meinte der Bassgeiger. Dann kam eine ganze flotte Flotte ranghöherer Fahrzeuge die Straße entlang und füllte den Parkplatz.

 

Das Los der Attrappen...

 

 

Die Musikanten springen auf die Beine. Jetzt schnell und steirisch aufspielen, um dem Prominententreff einen Anstrich von Tradition zu verleihen. Originale Volksmusik vor der verwitterten Hausfront, zum Glas Originalsteirischen, Prost! Im Sonnenschein und Blitzlichtgewitter baden nun alle möglichen miteinander: Der Industrielle mit dem Schauspieler, der Rote mit dem Schwarzen, der Künstler mit dem Verleger, der Versicherer mit der Medienchefin, der Fußballpräsident mit dem Landtagspräsidenten........

Da staunen die Musikanten, denn so nahe waren sie noch nie d`ran. Einer von ihnen ist sogar am Präsidenten angestreift.

 

Dann setzt sich der Dienstwagenfahrer Xandl zu den Musikanten. Er hat jetzt Zeit für seinen Kaffee und kennt Gott und die Welt. Damit meint er den Kellner vom Sternwirt, den Postler von Pöllau, den Haller Friedl und den Berger Leo. Ja, der Xandl besticht mit seinem Horizont, er ist ein Kilometerfresser, aber ein Feinspitz im Umgang mit den Gewöhnlichsterblichen. Er mag Musik und zeigt es auch, singt selber mit und trennt sich dann ungern vom Klangteppich, als sich die Gesellschaft zum Essen begeben hat und die Musikanten ihre Köfferchen packen.

 

Bei der Heimfahrt aber meint der Harmoniespieler, dass es ein Glück sei, dem Traditions-Attrappendasein ein Schnippchen zu schlagen. Es bedarf halt immer der Xandls, die  die große Welt von der kleinen unterscheiden können.