Manches Mal geben wir uns freundlicher als wir es eigentlich meinen, geben uns interessierter als wir gerade wollen, schminken uns zu Schönheiten, die wir gar nicht sind - kurz und gut: Das Leben ist mitunter ein Spiel. Mimik und Gestik sind die Ausdrucksmittel der Maskerade des täglichen Lebens.

 

Der Fasching

 

 

Der Fasching aber lockt, sich doch einmal weiter vorzuwagen, einfach in eine andere Rolle zu schlüpfen und das Spiel zu perfektionieren. Das gelingt mit dem aufgeklebten Schnurbart ebenso wie mit der Halb- oder der Vollmaske. Da werden mitunter die Zahmen zu wilden Tieren, die Lustigen zu Gefängniswärter oder gar zum Skelett. Nicht selten habe ich bemerkt, dass die Griesgrämigen sich gerne als Faschingsprinzen ausgeben und Lehrerinnen gerne einmal als Callgirl auftreten. Sehr beliebt ist die Verwandlung der Männer in Frauen und umgekehrt. Da steckt mehr als nur der Spaß an der Verkleidung dahinter - es ist der besondere Reiz, das jeweilig andere Geschlecht zu spielen, sich z.B. als nunmehr verkleidete Frau zum Tanz auffordern, die Hand küssen zu lassen....

 

Vorsicht aber vor Massenmaskeraden, denn die Maskerade lebt ja von der Demaskierung und vom stundenlangen Rätselraten: Wem gehören die Augen, die mich an jemanden erinnern? Zu wem gehört die mir wohl bekannte Stimme oder gar die Bewegungen beim Tanz? Wer ist der noble Herr mit Vollbart, oder gar die schlanke Löwin?

 

Merke: Maskenumzüge und -bälle sind umso lustiger, wenn sie im kleinen Rahmen stattfinden, wenn man hinter jeder Maske eine oder einen Bekannten vermuten kann.

 

Sie sollten daher nicht lange zögern, wenn Sie in der Nachbarschaft zum Maskenball eingeladen werden, er lebt - wie gesagt - von der Vermutung, dass auch Sie dabei sind.

 

Also - nichts wie hin, denn es ist für Sie eine der wenigen Gelegenheiten, nicht nur Ihr äußeres Erscheinungsbild hinter sich zu lassen, sondern auch jene Possen zu spielen, die sie im wirklichen Leben nicht mehr spielen dürfen oder noch nie gespielt haben.