Als sie schon fast alles kaputtgeschlagen hatten, da riefen die Menschen das Jahr des Friedens aus. Als er schon im Sterben lag, das Jahr des Waldes. Als die Luft schon dick war, das Jahr des Umweltschutzes, wegen dem schlechten Gewissen das Jahr des Kindes, als männliche Entschuldigung das Jahr der Frau, aus Solidarität das Jahr des Tieres, in Ermangelung besserer Ideen das Jahr des Lichtes, wegen der zu erwartenden Pressereaktionen das Jahr der Schnapsideen....

 

Spaß ohne: Wozu also das Jahr des Singens? Hatten wir nicht erst neulich und unlängst wieder – nach einer dreijährigen Pause – laut und grässlich gesungen? Hatten wir nicht – im vorigen Jahrhundert - einen Opernsänger in der Familie und dem Gesangsverein eine CD abgekauft? Das genügt, sprachen wir und verstummten.

 

Das Jahr des Singens hat Sinn!

 

Welch Absage an den eigenen Körper, der zum Singen gebaut ist, der zuallererst - als er auf die Welt purzelte -  sang. Eine gute Idee also, das Jahr des Singens! Aber bitte nicht singen lassen, nicht: sich zurücknehmen bis zum Reden über das Singen. Es sind doch alles nur Ausreden – vom Knödel im Hals, vom Mangel an Musikalität und von zuwenig Begabung im Blut. Nur Mut, Sie wissen nicht, was Sie sich antun, wenn Sie bislang und bis an Ihr Ende ungeklungen gelebt haben.

 

Das „Jahr des Singens“ -  endlich ein gutes Jahresmotto! Statt den Spendenerlagschein, die schönsten Minuten des Feierns und der Geselligkeit mit Liedern ausfüllen...