Da habe ich sie nun erwischt, aus der Leserschar herausgefischt. Sie lesen meine Kolumne und nun muss ich meine Worte so wählen, damit Sie dabei bleiben, denn dies ist die schönste Form von Gefangennehmen. Zugleich ist es aber die schlimmste Niederlage, wenn Sie mir zwischen den Zeilen wieder verloren gehen. Ähnlich ist`s, wenn einem der Fisch wieder von der Angel hüpft.

 

Also: dranbleiben und sich begrüßen lassen zum Neuen Jahr, denn das wäre schon ein Stück Kultur, wenn wir uns wieder mehr grüßen würden. Nein, nicht vorgetäuschte Bekanntschaft spielen, nicht so tun als ob, sondern: Unseren gemeinsamen Besuch auf diesem Planeten zum Anlass nehmen, sich mit allen anderen im selben Getriebe, im selben Paradies, in derselben Verantwortung im selben Boot zu sehen.  So könnten Sie für alle Unbekannten – das ist die Mehrheit - geradezu freundschaftliche Gefühle hegen.

 

Grüß Gott Kultur!

 

 

Kulturjahr ist, wenn wir selber auch Kultur haben. Das wäre ein Netzwerk von Ensembleübungen auf Du und Du, ein Fleckerlteppich voll mit Grüß Gott – Zurufen und mit Zuneigungen, eigentlich die tägliche Uraufführung von Menschsein. Seien sie jetzt nicht pessimistisch und nachtragend und reden Sie jetzt nicht von Aussichtslosigkeit, Unbelehrbarkeit und Schlechtigkeit Ihrer Gattung. Mag sein, dass ich meine Grüß Gott- Kultur überbewerte. Machen wir es auf bescheiden: Kultur haben ist`s auch schon, wenn die Generalprobe zur Uraufführung, Menschsein zum Programm erhoben und einfach nicht mehr abgesetzt wird. Grüß Gott im Jahr 2003! Graz- Kulturstadt Europas.