Volksmusik & Urheberrecht

 

 

so nennt das  Österreichische Volksliedwerk eine eben erschiene Broschüre, die das anstehende Problem der Vermarktung überlieferter Volksmusik zum Inhalt hat. Worum geht es dabei?

 

Das aus dem Jahre 1936 stammende Urheberrechtsgesetz berücksichtigt die Anliegen der Komponisten, Autoren und Verleger, ohne der Musikgattung „Volksmusik“ den notwendigen Freiraum zu belassen. Bei der Anwendung des Gesetzes durch Verwertungsgesellschaften kommt es seit eh und je zur Vergebührung von Musik, die weder einem Komponisten, einem Autor, noch einem Verlag oder gar Bearbeiter zuzuschreiben ist. Vor allem bei kleinen Brauchtumsveranstaltungen, spontanen musikalischen Ereignissen und Volksmusik-Veranstaltungen wird zur Kasse gebeten, obwohl die Urheber anonym sind oder bleiben wollen.

 

Denkmäler der Volksmusik

Außerdem: Diese Denkmäler österreichischer Volksmusik, in Generationen gewachsene Musik, gerät immer öfter auf den Notenschreibtisch von Bearbeitern, die mit dem Ergänzen der vorhandenen schöpferischen Idee, als „Bearbeiter“ aus dem Tantiemen-Topf mitnaschen wollen. Dies zum Nachteil einer freien Nutzung von Volksmusik. Und: Musikanten und Sänger, die tatsächlich ihre eigenen Melodien selbst „stricken“, stellen sich neuerdings mit der Anmeldung ihrer Urheberrechte und Unterschutzstellung ihrer Lieder und Weisen nicht mehr in die ehrenhafte Reihe ihrer Vorbilder in der Volksmusikszene, sondern ins Abseits. Sie, die ungehemmt aus dem Vollen schöpfen, mit ihren Musik- und Singgruppen zum größeren Teil tantiemenfreie Überlieferung gebrauchen, wollen den kleinen Prozentsatz eigener Werke nicht einer freien Nutzung durch singende und musizierende Menschen unseres Landes überlassen.

 

Mit der vorliegenden Broschüre unternehmen die Interessenverbände der Volksmusik den erstmaligen Versuch, zum Schutz vor Missbrauch der österreichischen Volksmusik aufzurufen.