Die „Nestler Kapelle“

Forschungsvorhaben in der Weststeiermark

 

 

Was für Wien die Brüder Schrammel, das bedeuten Musikerfamilien für so manchen Ort in der Steiermark. Dort, wo begnadete Musikerfamilien beheimatet sind, prägen sie das kulturelle Leben auf vielfache Art. Nutznießer dieser musikalischen Leidenschaft solch prägnanter Persönlichkeiten sind die Blasmusikvereine, Chorgemeinschaften, das Kirchenleben, aber auch das gesellige Unterhaltungsleben, denn meist bildet den Ursprung solch intensiver Beschäftigung mit Musik das Hineingeborenwerden in den Musikantenstand.

 

Da Schuasta Sima

Zum Beispiel: Der „Schuasta Sima – ein Edelschrotter Original, machte nicht nur Schuhe, nicht nur Musik, sondern auch Schlagzeilen. Sehr umfangreich sind die Würdigungen und Darstellungen seines Lebens. Rundfunk und Fernsehen haben ihn, hochbetagt, festgehalten. Fast alle seine Söhne sind dem Musikerstand treu geblieben. Der zuletzt verstorbene Rudolf Nestler war zugleich Kapellmeister, aber auch Lehrmeister für seinen Enkelsohn, dem er seine schönen Tanzmelodien vermittelt hat. In vielen Musikerfamilien wird ebenso gehandelt. Ein beruhigender Beweis, dass musikalisches Erbe nicht Museumsbestand geworden ist. Seit einiger Zeit spüren wir dieser „Nestler-Kapelle“ nach, die immerhin bis in die 60er-Jahre aktiv war. Bisher wurden vor allem Bildbelege und Notenhandschriften gesammelt bzw. Wissenswertes in vielen Gesprächen erhoben. Für unser Steirisches Volksliedarchiv ist vor allem der Eingang der Nestler-Tanzmusikbücher (in Kopie) von großer Bedeutung.

 

Musikrepertoire als Kapital

Rudolf Nestler hat nur wenige Monate vor seinem plötzlichen Tod seine Unterstützung zugesagt. Es gilt nun vor allem seiner Witwe, Frau Ida Nestler, für die Mithilfe zu danken. Der Inhalt der Bücher zeigt das Repertoire einer Musikerfamilie auf, das zur Zeit der Aufzeichnung als das Kapital, als Besitz eines Musikers gegolten hat. Die angelegten Bücher waren vor allem Notiz und nicht als Spielpartitur in Verwendung. Alles in allem: Die Erhebungen werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen, bis ein überschaubares Bild zum Edelschrotter Musikantenturm entstanden ist. Wir werden zu einem späteren Zeitpunkt ausführlich darüber berichten.