Ein Brief an Fritz Frank

zum 80sten Geburtstag

 

 

Dein hoher Geburtstag ist der Anlass, Dir diesen Brief zu schreiben, Dir ein paar Zeilen zu widmen. Erst unlängst haben wir uns bei unserem Hausfest gesehen, ich hatte aber zu wenig Zeit, um mit Dir zu sitzen und zu plaudern. Dasselbe gilt auch für unsere Begegnung in der Grazer Burg. Vielen Dank auch fürs Dabeisein, es war für mich besonders schön, Dich in dieser Stunde im Saal zu wissen.

 

Vielleicht macht es Dir ein wenig Freude zu sehen, wie sehr unsere Sache gediehen ist und vor allem, wie sehr sie von so vielen Menschen angenommen wird. Mir macht die Sache nach wie vor Freude, wenngleich ich unzählige Hürden nehmen musste um das zu erreichen, was heute viele bewundern: Ein schöner Betrieb mit engagierten jungen Mitarbeitern, eine vielfältige offene Arbeit und ein überregionaler Wirkungsbereich. Das würde sich so manche Kulturinitiative wünschen: Im Kleinen anerkannt und in der Überschau respektiert. Bloßes Kulturmanagement wäre zu wenig und auch zu kühl, wenn es im wahrsten Sinne um Menschenpflege geht und um Tradition. Da bedarf es der Zuwendung zum Einzelnen, zu den Besonderheiten und mitunter auch zu den Engstirnigkeiten. Deren Wert für andere verständlich zu machen, ihren Anteil an der vielgepriesenen Vielfalt herauszustreichen, ist eben eine eigene Disziplin.

 

Ein Blick zurück: Zu Deiner Zeit mag es noch ein Zusammenspiel zwischen der hohen Politik und den Kulturarbeitern gegeben haben. Ich denke, dass es noch bessere Zeiten waren, mit Dr. Eduard Moser und Prof. Kurt Jungwirth. Wo sind die Zeiten geblieben, als man noch von Jugendarbeit sprach und von Vorbildern? Mag sein, dass ich nun auch schon zu den Jammerern gehöre. Mir fehlt aber nach wie vor das Gesprächsklima, das Verständnis, das Zutrauen von Seite des Arbeitgebers. All die Jahre war ich ein lästiger Bittsteller. Andererseits denke ich, dass man am Gegenwind auch wachsen kann, also haben alle Widrigkeiten auch ihren Sinn gehabt.

 

Lieber Fritz! Es waren auch schöne Zeiten, als Dein täglicher Ruf über den Gang zu hören war. Und wann nahm alles den Ausgang? Es war die Freundschaft zwischen meinen Eltern und Dir, die für mich so viele Veränderungen brachte. Die unvergesslichen Erlebnisse auf unseren Reisen und vieles mehr. Ich verdanke Dir daher sehr viel. Wer hätte denn sonst einen mickrigen Geiger und Hackbrettspieler gleich mitgenommen? Dir ging es um das Vermitteln von Freude und eben auch der Reisefreude. Du wolltest vielen eine Chance geben und das ist Dir wahrlich gelungen. Es waren „stundenlange Augenblicke“, wohl das Intensivste was ich in meinen jungen Jahren aufgesogen hatte. Damals dachte ich nicht daran, jemals eine ähnlich Arbeit machen zu dürfen, schon gar nicht in Deiner Nähe.

 

Und dann kam es doch so und damit auch die Herausforderung meines Lebens. Vielleicht war dies in meinem Übermut nicht immer erkennbar: Neben allen Nebeneinander-Meinungen hab` ich Dich immer geschätzt, habe die Sache zwar anders angegangen als Du, aber trotzdem Deine Energie und Lebensfreude vor Augen gehabt. Mehr noch: Da hat vieles abgefärbt und sich eingeprägt. Mag sein, dass ich Dir Kopfzerbrechen bereitete, dass ich nicht unbedingt auf Deiner Linie getanzt habe. Wenn Du mich als Gegenspieler gesehen hast, dann sei getrost, ich bin nur an Dir gewachsen, habe vieles gelernt und Dir stets nachgeeifert. Jugend braucht halt auch ein gehöriges Maß an Konkurrenz. Wer kann schon so sein wie der andere? Es war aber der große Wunsch von mir, einen Anteil von Deiner Begeisterung zu haben, einen Anteil Deines Könnens, Deine unverblümte Zuneigung zu jungen Leuten und neuen Taten. Diese Deine Eigenschaften haben mich seinerzeit in Deine Nähe gebracht und mir eine Tätigkeit ermöglicht, die in vielen Teilen auch Deiner Intention entspricht. Ja, und in dieser Beziehung bin ich Dir nach wie vor nahe, genieße so manchen Erfolg im Bewusstsein, dass Du mein Wegbereiter warst.

 

Zum Geburtstag viel Freude an Deiner Familie. Und hab` auch Freude an jenen, die Dich nach wie vor verehren und Dich zum Vorbild genommen haben. Es sind derer viele und ich gehöre gerne dazu.