Kindertänze Tralala

Die kleine und zugleich große Welt der Kinder. Zum Anfang für die Eltern

 


Musik kommt nicht auf Knopfdruck, nein, sie ist schon da und das Tanzen braucht nur angeschupst werden. Sportlichkeit beginnt schon auf dem Weg zur Turnhalle und die kindliche Musikalität braucht den Rhythmus schon vor den ersten Schritten und den Singsang der Eltern - so zwischen Tür und Angel. Die Vorstellung von der fröhlichen Familien-Gesangsstunde sollten wir also beiseite schieben, denn die Wirklichkeit sieht anders aus. Familiäre Musikerziehung ist keine Unterrichtseinheit, sondern eine ständige Begleitung, um sich das Zusammenspiel zwischen Musik und Körperbewegung anzueignen. Viele kleine Schritte führen dann zu einem großen Ziel, denn musisches Empfinden spielt in vielen Lebensbereichen eine entscheidende Rolle.

 

Die kleine und zugleich große Welt der Kinder

Ein sicheres Zeichen für die Qualität von Kindertänzen und Kinderliedern ist es übrigens, wenn sie auch von den Erwachsenen gerne getanzt und gesungen werden. Hier verbindet sich die Kinder- mit der Erwachsenenwelt, denn die Sehnsucht nach dem Kindsein ist jener nach dem Erwachsensein offenbar ähnlich.



Dieses Buch ist vorwiegend den Kindertänzen gewidmet, vom einfachen Ringa  ringa  reia … bis zur Ennstaler Polka, der ein eigener Text unterlegt wurde, um die Klatschfolge singend zu begleiten. Die Kreuzpolka gibt im Walzerteil Gelegenheit, mit den Kleinen schon einmal den Dreivierteltakt zu schwingen. Kinder tun sich da leicht, sie schmiegen sich ganz nahe an die Eltern und nehmen den Rhythmus auf.  Sie sind aber auch begeisterte Nachahmer von Arbeitsgeräuschen Die Mühle, die macht  klapp, klapp, klapp … und ebenso gerne beteiligen sie sich an Klatschspielen Die Håmmaschmiedgsölln …, wobei unser Buch das fehlende Wissen über altes Handwerk mit den Bildern wettmacht. Dass Kinder durchaus mehr zugemutet werden kann, das beweisen Lieder mit vielen Strophen Mei, håb i’s net a schens Schuacherl ån ...deren lustige Inhalte gerne auswendig gelernt werden und damit auch das Gedächtnis trainieren. Zwischendurch gibt es auch ganz einfache, einstimmige Lieder, wie Zenzi, hoaz den Ofen ein … und manches Mal darf eine Portion Spott nicht fehlen: Znachst, då bin i’s fischen gwest … Das alte Lied vom Hausmichl ... hat sogar den Weg in die Hitparaden gefunden, wird aber auch bei uns - durch die immer leiser werdende Fragestellung und gleich laut bleibende Antwort – begeistert gesungen. Einen besonderen Reiz haben die vielen Auszählreime und Sprüche. Da gibt es welche, bei denen man seine Erinnerungsfähigkeit testen kann Gemma, gemma, sågt die Emma … Manchmal sind – „damit sich s reimt“ - beinahe unsinnige Worte aneinandergefügt. Auch diese Sprach- Geschicklichkeitsspiele haben ihren Wert, denn sie fördern die Sprachentwicklung.



Die Instrumentalbegleitung bietet eine bunte Vielfalt von Möglichkeiten, von den Streich-, Zupf- und Blasinstrumenten bis zur Mundharmonika. Sie soll Anreiz für eine eigene, freie Auswahl – nach vorhandenen Instrumenten und Fähigkeiten – sein. Für die rhythmische Begleitung genügt auch manchmal ein Kochlöffel.  Bei manchen Tanzstücken Es geht nix üba die Gemiatlichkeit ... steht der musikalische Übermut im Vordergrund. Da wird offensichtlich eine Dorfkapelle nachempfunden, die ihre Stimmaufteilung nicht niedergeschrieben hat, sondern einfach darauf losspielt. Die hatten offensichtlich auch vor dem Mikrophon ihre Gaude!

 

Pfui – ist das lustig…

Wer genau hinhört, wird einerseits viele neue Texte kennen lernen, sie sind während der Tonaufnahmen entstanden, wir verdanken sie den jungen Musikantinnen und Musikanten. Andererseits wird der Hang zur unzensurierten Texthandhabung auffallen. Wir muten den Kindern tabulos Worte wie da Schoaß, da Kuahdreck, gschissn zu - die sie ja selber längst kennen. Diese Unanständigkeiten verlieren im Zusammenhang mit Melodie und Textverlauf ihre Schrecklichkeit. Kinder kennen übrigens die unterschiedliche Bedeutung von Schimpfwort und Liedertext nur zu gut und genießen mitunter die im Lied versteckte Freizügigkeit.

 

Der Mantel des Echten ist ein Hemmschuh…

Traditionen - und daher auch alte Kindertänze und -lieder - verlieren ihren Sinn, wenn sie mit dem Mantel des Echten verhangen werden. Das macht selbst das lustigste Thema zum ernsten Anliegen und wirkt wie ein Hemmschuh. Wir fordern daher auf, die hier vorgestellten Tänze,  Lieder und Sprüche auch selbst mit zu gestalten. Erfinden Sie ruhig eine neue Schrittfolge, lassen Sie Strophen weg, wenn Sie ihnen nicht gefallen, fügen Sie welche hinzu, die Ihnen gerade einfallen und greifen sie – wenn sie sich plötzlich erinnern können - auf die Variante der Großmutter zurück.

 

Ein wichtiger Klebstoff…

Musikalische Früherziehung liegt zuallererst in der Verantwortung der Eltern. Da kann die eigene Erinnerung an die Kindheit mitklingen. Sie werden staunen: Es zahlt sich aus, auf diese Schätze zurück zu greifen. Es sind kleine Kostbarkeiten, die plötzlich wieder Bedeutung erlangen. Das meinen wir nicht, um Altes zu retten, sondern um die Freude daran neu aufleben zu lassen und um Jung und Alt zu verbinden. Da geht es auch um ein Stück Familiensinn, denn gemeinsame Lieder haben ist der Klebstoff zwischen den Generationen.

 

Kinder singen und spielen für Kinder...

Das vorliegende Buch mit CD entstand im Zusammenwirken zwischen kleineren und größeren Kindern zweier Familien. Es ist nach „Weihnachtszeit in der Familie“ und „Kinderlieder hopsassa“ die dritte Folge dieser inzwischen vielgeliebten Reihe. Seit dem Erscheinen des ersten Buches im Jahre 2001 sind nun einige Jahre vergangen und die ursprünglich kleinen Kinder sind während der Aufnahmen für dieses Buch zu jungen Damen und Herren heran gewachsen. Die Jüngeren waren mehr gesanglich, die Älteren mehr instrumental beteiligt. Alle Tänze, Lieder, Sprüche und Musikstücke sind – und das ist der Zweck dieser CD – zum Mitmachen gedacht. Es ist also eine CD, die beim Spielen mit den Bausteinen und im Tagesablauf der Puppenküche dazugehört. Neben dem Küchenherd sollten Sie mit Ihren Kleinen die ersten Tanzschritte versuchen und beim Autofahren stets ein Lied auf den Lippen haben. So einfach ist das…

 

Wie uns der Schnabel gewachsen ist…

Mit diesem Buch - samt Tonproduktion - festigt das Steirische Volksliedwerk aber auch sein deutliches Bekenntnis zur tönenden Wirklichkeit, zum Singen „wie uns der Schnabel gewachsen ist“. Das wird in Zeiten der Klangoptimierung zwar verwundern und mag viele Kinderlieder-Tonträger im Konzertton beinahe in Frage stellen. Dem eigentlichen Sinn von Singen mit Kindern kommen wir damit aber näher. Singen ist die erste Zweitsprache, in die wir alles übersetzen, wofür wir keine Worte finden können.

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