Volksmusik in Mariazell

 

 

Mit „Volksmusik in Mariazell“ kommt eine neue Platte ins Regal. Nach der Weihnachtsausgabe (Hirten auf um Mitternacht LP 46-18 MC 46-218 Bschoad) folgt nun in gelungener Mischung eine Wiedergabe von Tanzmusik, Jodlern und Weisen und almerischem Gesang. Die Familien Eder und Martschin haben zusammen eine ländlich-musikalische Vielfalt eingespielt, die alles andere als Aneinanderreihung  von Musiknummern ist, was man von vielen Produkten sogenannter „echter“ Volksmusik  durchwegs behaupten kann.

 
Gleich vorweg: Die schwarze Scheibe ist kein Ersatz für menschliche Begegnung mit Sängern und Musikanten selbst. Sie kann nur ein Abklatsch des hautnahen Erlebens sein. Das sag‘ ich aus Überzeugung, obwohl ich selbst Tonträger-produzierend war und weil ich die Mariazeller Musikanten allzu gut kenne. Das Schlimme an solchen Produkten ist ja immer die Bemühung, Menschliches zu kaschieren, auszuschalten, um die angeblich heute verlangte  Perfektion  zu erreichen. Dem Trend sind die Mariazeller nicht gefolgt. Danke!

 

Nun zum Inhalt: Schön, dass wiederum Bekanntes zu finden ist. Volksmusik lebt von der Wiederholung, und manche Nummern sind eben im Hinterkopf vieler Zuhörer, denen ja diese Platte gewidmet ist. Die stimmführende Klarinette gibt eine besondere Klangnote. Die Melodie hat Vorrang. Dies sei gerade in diesen Tagen dankbar vermerkt, weil so viele Gruppen gleich klingen (macht sich da niemand Gedanken?) und virtuose Zerlegungswut die schönsten Melodien nur noch als „Faschiertes“ erscheinen lassen.

 

Was mir abgeht – und das sei eine Aufforderung  an so manche Musikgruppe, ist der sich anbietende Gesang bei einigen Tanzmusiknummern, so z.B. beim „Wiederschwingwalzer“ oder beim „Drah di um-Walzer“. Was das Zusammenspiel des  Ensembles betrifft, so fehlt schon etwas die Überzeugung, die nächtelange Erprobung, jenes Zusammenschmelzen, das durch Üben nicht erreicht werden kann. Bitte keine Verwechslung von „Perfektion“ und „Sauberkeit“ mit „Von der Hand gehen, durch eingelebte Übereinstimmung“.

 

Weiters: Die „Zeller-Polka“ hat’s in sich!  Drei einfache, nebeneinander liegende, nicht anspruchsvolle Melodien verweisen auf die „kleine Form“ der Volksmusik. Bemerkenswert, dass darinnen alles Wesentliche für die Tanzbodenunterhaltung liegt, an die ich beim Anhören sofort erinnert werde. Es ist die Klangwolke zur immer noch aktuellen Wirtshauskultur, zu der eine Tanzbodenstaubwolke die einzig wünschenswerte Ergänzung wäre. Tanzmusik, Weisen für Bläser und endlich einmal Lieder und Jodler in kleinster Besetzung (Vater Martschin mit seinen beiden Kindern) reihen sich aneinander.

 

Einiges stammt aus dem Steirischen Volksliedarchiv, wiederbelebt, einmal nicht von Mund zu Mund übernommen, sondern aus Handschriften erarbeitet.
Wie das Beispiel zeigt, kann diese Übernahme aus Noten auch gut gehen. Hans Martschin kennt durch viele Begegnungen mit Sängern aus seiner Heimat den Unterschied zwischen Musik machen „und musikalische Sprache einer Landschaft sprechen“.

 

Daraus resultiert ein überraschend tiefes Hörvergnügen, auch wenn ich persönlich einer Begegnung mit den Mariazeller Freunden im gastlichen Winkel von St. Irgendwo den Vorzug geben möchte.