Gertrud Zwicker zum 60er!

 


Ich hab` Dich stets - wenn Du den Weg zu uns ins Volksliedwerk gesucht hast - gleich an Deiner Stimme erkannt, die aus dem Nebenraum in mein Büro herüber klang. Meist habe ich dann die paar Schritte getan und die Tür geöffnet, um Dir zu begegnen. Das tue ich nicht immer, manches Mal bleibt die Tür geschlossen.

  

Also, warum die Arbeit weglegen, die Schritte um den Schreibtisch lenken um Dir die Hand reichen? So im Rückblick: Du warst und bist zu jeder Jahreszeit der Frühling, der da hereingeschneit kommt. Dein frohes Gemüt färbt ab und da möchte man gerne anstreifen. Ja so ist es und mehr noch: Am liebsten würde man im Rückenwind Deines Tatendrangs segeln und davon naschen. Meist treffen wir uns also zwischen Tür und Angel zur Abstimmung zwischen Deinen Anliegen und meinen Möglichkeiten. In ein paar Sätzen sind wir uns handelseins und Du wirbelst von Tannen. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals die Begegnungen in einen Kaffeetratsch ausgeweitet zu haben, Du warst meist eilends unterwegs.

 

Die Gertrud Zwicker – eine Zündlerin

Ich gestehe: Ich weiß von Deinen vielfältigen Leistungen, mir fehlt aber der Überblick, weil Du eben - was die Musik betrifft - eine Zündlerin bist. Dass Deine Brandplätze nicht alle bekannt sind, spricht durchaus für Dich. Die kulturellen Zündler sind ja nicht immer jene, die über ihr Engagement viele Worte verlieren, sie sind so und so ständig außer Atem. Sie sind auch keine, die höchst systematisch an die Sache rangehen. Nein, sie fliegen von einem Impulsgeben zum anderen, das aber mit umso mehr Vehemenz und Herz.

 

Was haben also Deine Aktivitäten und meine Ambitionen gemeinsam? Sie waren und sind nie gefangen in ausgeklügelten Konzepten. Gut so! Ich denke, dass Kulturarbeit unter dem Generalstabsdenken leidet, weil es allzu fertigen Wegen an der Dynamik einer Baustelle mangelt. Diesbezüglich gibt es zwischen uns eine Seelenverwandtschaft, die uns davon abhält, zwischen Tür und Angel aneinander vorbei zu predigen. Dieser Umstand hat zwar - so möchte man meinen – den Anschein, als würde der Zusammenarbeit zwischen uns die erforderliche Professionalität fehlen. Dennoch ist gerade dies der Humus, in dem Freigeister ihre ganze Kraft entfalten können.

 

Meine hohe Wertschätzung hast Du

Was die Geschmacksnerven für Musik betrifft, haben wir uns nie auf eine Abstimmung eingelassen. Deine umfassende Musikbildung und mein doch emotionaler Umgang mit Musik bedurften keiner gegenseitigen Annäherung, wozu auch? Auf dem Weg zum Glück gibt es viele Verästelungen und diese Vielfalt des Zugangs zu ein und derselben Sache ist ein durchaus erfrischender Gedanke. Kaum zu glauben: Es bedurfte Deines Ehrentages, um Dir endlich einmal meine Wertschätzung mitzuteilen. Hast Du das nächste Mal Zeit für eine Tasse Kaffee? Alles Gute zum Geburtstag!