Stammtisch is` beim Huberwirt.

 


Die Welt der Musik hat viele Gesichter: Ob wir nun im roten Plüschsessel sitzen, um einer Orchesteraufführung zu lauschen, ob wir uns aus dem Fenster lehnen, um die vorbeiziehende Blasmusik zu genießen oder im Lehnsessel dem Musikantenstadl folgen. Alles hat den gleichen Namen: Musik.

Die Musik und die Konservenmusik

Wir unterscheiden aber trotzdem und wir ordnen unsere Eindrücke. Manche sortieren wir aus und wir halten uns von mancher Musik einfach fern, seien es aus Abneigung, aber auch aus Mangel an Zugang. Diese Zugänge sind übrigens ähnlich vielfältig, wie die Musik selbst: Wir sagen dazu auch Musik, wenn sie uns nicht im Original vorgespielt wird, sondern auf Konserve. Am Arbeitsplatz, im Auto oder im Wartesaal des Busbahnhofs und natürlich auch am Häusl. Es ist Musik, die uns Tag für Tag verfolgt und wir lassen uns verfolgen. Da lob ich mir den Zusammenschnitt zwischen Erzeugung und Lebenslust. Da lob ich mir, die Angewohnheit, Musik dabei zu haben, zumindest ein paar Melodien auf den Lippen oder nur einen Pfiff. Sagen Sie nicht, dass diese Vorstellung von musikalischer Lustbarkeit nur ein Traum bleibt, dass unsere konsumorientierte Welt keine solche Emotion mehr zulässt. Diese Ausrede zieht nicht.

Ein Buch der musikalischen Erinnerungen

Schauen Sie einmal beim Hubertwirt vorbei und schließen Sie in Ihr Musikerlebnis alles mit ein: Das Geräusch aus der Küche, das Geplänkel der Stammtischleute über sich selbst und andere, über Gesundheit und Krankheit und lassen Sie sich diese Poesie des Alltags auf der Zunge zergehen. Und Musik? Musik ist dort gleichsam das Ausbreiten von Lebensgeschichten. Da wird ein Buch voll Erinnerungen - auch musikalischer - aufgeschlagen. Hinter den Tönen stehen nicht Noten, kein Werkverzeichnis, eigentlich kein musikalischer Gedanke…

Musik ist dort viel mehr als eine Begleiterscheinung oder Berieselung, sie ist das Mosaik aus verschiedenen musikalischen Welten. Das ist der Huberwirt in Stattegg bei Graz an jedem Donnerstag: Ein Ort wo Sehnsucht nach dem Gespräch, nach der Heimat im Dorf erfüllt wird. Für ein paar Stunden bildet sich ein buntes Orchester das auf „Teufl komm raus“, das Unausgesprochene in Töne übersetzt. Fern von jedem Anspruch auf künstlerische Hochleistung. Ein Hauch von Lebenskünstlertum, das die Streicheleinheiten für das Seelenleben auszuteilen versucht.