Das Konzert im Wald


Konzert ist heute angesagt
im frischen grünen Wald,
die Musikanten stimmen schon,
hört, wie es lustig schallt!
Das jubiliert und musiziert,
das schmettert und das schallt!
Das geigt und singt
und pfeift und klingt
im frischen grünen Wald.

Der Distelfink spielt keck vom Blatt
die erste Violin`,
sein Vetter Buchfink nebenan,
begleitet lustig ihn.

Frau Nachtigall, die Sängerin,
die singt so hell und zart,
der kleine Hänfling bläst dazu
die Flöt` nach bester Art.

Die Drossel spielt die Klarinett`,
der Rab`, der alte Mann,
streicht den verstimmten Brummelbaß,
so gut er streichen kann.

Der Kuckuck schlägt die Trommel gut,
die Lerche steigt empor
und schmettert mit Trompetenklang
voll Jubel in den Chor!

Musikdirektor ist der Specht,
er hat nicht Rast noch Ruh`,
schlägt mit dem Schnabel, spitz und lang,
gar fein den Takt dazu.

Verwundert hören Has` und Reh
das Fiedeln und das Schrei`n,
und Biene, Mück` und Käferlein,
die stimmen summend ein.

Volksweise, Text von Karl August Kern

Im Wåld draußt...


Im Wåld draußt steht a Hütterl,
gånz obn hoch am Roan,
då drinn  då wohnt a Dirnderl,
gånz einsam und alloan.

Und wird’s im Wåld draußt finster,
die Vögerl gehn zur Ruah,
då kimmt mit seiner Zither
zu ihr a saubrer Bua.

Der Bua spielt auf der Zither,
dås Dirndl singt und låcht;
zum Gspoaß a herzigs Busserl,
zum Åbschied: Guate Nåcht!

Und wia des Dirnderl gstorbn wår,
hängt d`Zither ån der Wånd,
die Saiten san zerissen
und neamd hålts in der Hånd.

Mitgeteilt von Dir. Franz Weidmann

Wer hat dich, du schöner Wald


Wer hat dich, du schöner Wald
aufgebaut so hoch da droben?
Wohl den Meister will ich loben,
so lang noch mein Stimm erschallt.
Lebewohl, lebewohl, du schöner Wald!

Tief die Welt verworren schallt,
oben einsam Rehe grasen,
und wir ziehen fort und blasen,
dass es tausendfach verhallt.
Lebewohl, lebewohl, du schöner Wald!

Was wir still gelobt im Wald,
wollen`s draußen ehrlich halten;
ewig bleiben treu die Alten,
bis das letzte Lied verhallt.
Lebewohl, schirm dich Gott, du schöner Wald!

Joseph Freiherr v. Eichendorff

Im Walde da wachsen die Beer`n


Im Walde da wachsen die Beer`n,
halli, halli, hallo
drum hab ich den Wald auch so gern,
halli, halli, hallo

Im Walde da wachsen die Schwämm`,
halli, halli, hallo
wenn`s keine gibt, bleibn wir dahäm,
halli, halli, hallo

Im Walde da gibt’s heut `nen Tanz,
Halli, halli, hallo
die Lilli die walzt mit dem Franz
Halli, halli, hallo

Volkslied aus dem Thüringer Wald

Ein Hoch dem Waldfest

 


Die letzten Reste von Bretterbuden und windschiefer Holzbänke sind noch zu erkennen. Mitten im zerfallenen Tanzboden suchen sich frische Hollerstauden ihren Weg zur Sonne. Gleich dahinter ist sogar noch die Kegelbahn auszumachen und ganz im Dickicht zwei aneinender gelehnte Häusl – alsob sie sich gegenseitig stützen müssten. Eine seltsame Stimmung liegt über dem toten, von Moos und Farn überwucherten Festplatz. Das letzte Tageslicht fällt auf das Bühnenbild einer längst abgesetzten Aufführung.

Es ist Zeit für eine Wanderpause und so lasse ich mich, die Wegzehrung aus dem Rucksack nehmend, neben dem Tanzboden nieder. Im Waldboden entdecke ich weitere Zeugen des letzten Festes: In die Erde gedrückte Bierkapsel, über die ein Heer roter Ameisen hinweg zieht.

Kindheitserinnerungen

Und nun kamen mir, aus meinen Kindheitstagen, längst vergessene Waldfeste  in den Sinn - der Festlärm, das Gelächter und Gejauchze am Tanzboden. Schon vom weiten war die Musik zu hören, Fetzen von tiefen und hellen Tönen, Geschrei, Gesang und dazwischen das Gepolter der Kegelbahn. Als Kinder waren wir gerne mit den Rädern zum Festplatz in den Wald gefahren, verdienten uns mit dem Einsammeln der Bierkrügel ein kleines Trinkgeld. Die eng beieinander stehenden Bäume eigneten sich auch für so manches Spiel, etwa „Schneider leich ma d`Scha“.

Ja, Kinderaugen nehmen eine eingeschränkte Sicht wahr, entwickeln eher denn Sinn für die Nebengeräusche und -gerüche. Der Einblick in die großen Zusammenhänge, seien es der Anlass des Festes, die Organisation der Musik, der Würstel und der Bierfässer bleiben einem verwehrt. Erst heute denke ich, dass solche Feste nicht nur umfangreicher Vorbereitungen bedurften sondern auch Anlass für Raufereien waren und es auch die Anbahnung zahlreicher Liebschaften gegeben haben muss. Davon wussten wir Kinder nichts, denn wir hatten strenge Order, bei Einbruch der Dunkelheit daheim zu sein.

Was mag aber die Veranstalter bewogen zu haben, ihr Fest an den Waldrand zu verlegen? Warum nicht in den Schulhof, hinter das Gemeindehaus oder gar auf den Sportplatz?


Was ist ein Waldfest?

Als uns die nützlichen Großzelte, Sonnenschirme und überhaupt das ganze Festival- Equipment noch nicht zur Verfügung standen, waren die sommerlichen und herbstlichen Waldfeste üblich. Noch in den 60er Jahren erlebte ich diese Verlegung der Lustbarkeit von der Ortsmitte an den Waldesrand oder in eine Waldlichtung. Das hatte durchaus seine Gründe: Es fehlten einerseits große Veranstaltungsräume im Ort und im Sommer gab der Wald, das Nadel- und Blätterdach einen willkommenen Sonnenschutz ab. Bei Schlechtwetter wiederum gab das grüne Dach gerade genug Schutz, um ein solches Fest nicht absagen zu müssen. Die Waldfeste wurden später von den Zeltfesten abgelöst, dann von Festen in Volkshäusern und Eventhallen. In der Erinnerung bleiben aber unumstößlich die umfangreichen Vorbereitungen, die gemeinschaftliche Leistung und die unvergleichliche Stimmung. Lustbarkeit braucht eben auch einen entsprechenden Rahmen…

Der Wald – ein stimmiger Ort

Immer wieder bin ich erstaunt, welche besonderen Plätze in den Wäldern zu finden sind. Der Wechsel im Baumbewuchs, die eingefügten kleinen Waldwiesen, die durch die Holzbringung entstanden Wege, die an Gabelungen oft rätselhafte Strukturen annehmen und Stimmigkeit ausstrahlen, die – das fällt mir gerade ein – so manchem Dorfmittelpunkt fehlt.

Im Wald gibt es also wahre Kultplätze, die ihre Gestalt vom Wechsel im Jahreskreislauf erhalten haben und von Generationen von Waldbesitzern geformt wurden. Jeder Wildwuchs erscheint uns dort als sinnhafte Ordnung – die Moospölster ebenso wie die Wurzelstöcke und die wiegenden Gräser. Letztlich sind es aber die hohen kräftigen Stämme, die wankenden Wipfel und deren leises Seufzen, ebenso das Spiel von Schatten und Licht, die uns beeindrucken. Wir stehen im Banne dieser Baumriesen, die uns – was die Lebenserwartung betrifft – um viele Jahrzehnte übertreffen können.

Der Wald – Kulisse für Worte und Melodien

Was Wunder, dass heutige Waldfeste – wie etwa jenes in Atzing/Chiemgau – als „...ein Fest im Buchenwald, das sich wie ein Märchen anfühlt...“ beschrieben wird und sich natürlich die Handlung vieler unserer Märchen und Sagen im Wald abspielt. Das Böse (Im Wald da sind die Räuber…) und das Gute (Ein edler Prinz trat aus dem Wald…) sind gleichsam im Wald zu finden. Aus Kinderbüchern sind uns auch die Personifizierung von Pilzen, Waldtieren und Blumen in Erinnerung. Die ersten Bilderalben und Lesebücher versetzten uns in die reizvolle Welt der Wichtelmänner, Waldgeister und Nymphen. Und: Erich Kästners berühmte „Konferenz der Tiere“ könnte sich – wo denn sonst - nur auf einer Waldlichtung abgespielt haben.  

Als musikalische Beispiele müssten eine Unzahl an Volksliedern genannt werden, die vom Waldarbeiter, vom Leben im Wald und der Jagd im Wald handeln. Ebenso haben aber berühmte Komponisten die Mystik des Waldes, rätselhafte Geschöpfe und bedeutsame Begegnungen in Melodien ausgedrückt. Genannt sei die „Waldmeisterouvertüre“, ebenso jene zum „Sommernachtstraum“, beide von Johann Strauß - letztere spielt in einem Wald in der Nähe Athens. Die geläufigsten Bühnenbilder zu diesem Thema sind in Verdis „Falstaff“ und in Carl Maria von Webers „Der Freischütz“ zu finden. Der Wald ist also Hüter großer Geheimnisse, Unterschlupf dunkler Gestalten, Spielwiese tapferer Helden und Kulisse schicksalhafter Ereignisse. Er hat die Volksüberlieferung und gleichsam unsere Dichter und Musiker inspiriert.

Das Waldfest und die Zweckmäßigkeit

Waldfeste, wie sie noch in den 60er Jahren üblich waren, hatten eine logische und praktische Geschichte. Damals – noch waren Großzelte nicht erfunden und vielerorts fehlte es auch an Veranstaltungssälen – hatten die Feste am Waldesrand oder auf einer Waldeslichtung viele Vorteile: In den Sommertagen gab der Wald  den ersehnten Schatten und selbst bei Schlechtwetter konnte man sich – im Schutz des Blätter- und Nadeldaches einige Zeit aufhalten. Biertische – und –bänke, wie sie heute von Brauereien zugeliefert werden, standen nicht zur Verfügung, also war es ein Gebot der Stunde, selbst Hand anzulegen. Hacke, Schlegel, Nägel, Klampfen und Zahlstab waren die wichtigsten Werkzeuge.  

Schon Tage zuvor wurden Pfosten und Rundhölzer, Schwartling und Bretter angeliefert. Durch die damals noch überwiegend bäuerliche Struktur war den Helfern der Umgang mit den Werkzeugen geläufig. Die zugespitzten Rundlinge wurden in den Waldboden getrieben, ein paar Bretter darauf befestigt, so entstanden Tische und Bänke. Auf die gleiche Weise wurden Würstelbude, Bierschank und ein Verkaufsstand für Lebzeltherzen gezimmert. Für die Kegelbahn, den Schießstand, das Plumpsklosett und den Tanzboden war die Herstellung zeitaufwendiger. Mit jeder Stunde aber - ich kann mich auch an den frischen Harzgeruch erinnern – wuchs der Festplatz. Zuletzt wurden die Geländer des Tanzbodens mit frischem Fichtenreisig beschlagen und mit bunten Bändern geschmückt. Wir Kinder durften Bretter und Nägel reichen und dann und wann auch einen Krug Bier nachtragen.

Die Kühlung der Bierfässer fand damals im nahen Bach statt und die Beleuchtung des Festplatzes besorgte zur späteren Stunde der Mond. Heute legt man ausreichende Zuleitungen für Kühlung, Lautsprecher und Beleuchtung.  

Der Tanz, der Gesang und die Liebe

Während wir heute zu jeder Zeit Feste feiern, gab es einst nur wenige solche Gelegenheiten. So etwa im Hochsommer, nach der Erntezeit oder zur Kirchweih. Feste dieser Art hatten damals - und haben heute ebenso - einen gesellschaftlichen Sinn, deckten den Bedarf an Unterhaltung ab und lockten oft auch Besucher aus den Nachbartälern an. So wie der Aufbau eines solchen Festgeländes gemeinschaftlich bewerkstelligt wurde, so funktionierte der Festbetrieb, weil genügend Kellnerinnen und Helfer zur Verfügung standen. An der Schank – sie war genau auf Ellenbogenhöhe ausgerichtet - lehnten die Burschen und Altbauern in heftigen Gesprächen verwickelt. Der Austausch von Neuigkeiten, Transport von Vertraulichem, von politischen Ansichten und der so nebenbei abgeschlossene Vieh- und Holzhandel – das machte ein solches Fest aus. Auffallend war auch, dass die Männer ihre Hutkrempe tief ins Gesicht gezogen hatten. Schneidig eben...

Und: der Anbahnung von Liebschaften wurde ebenso Vorschub geleistet. Das Anbandeln bedurfte vielfacher Bemühungen, seien es nun die Aufforderung zum Tanz, das Zahlen eines Getränks oder die Einladung an den Schießstand. In Liebesdingen gab es aber auch entsprechende Steigerungen: Wurde ein Mädchen gleich mehrmals zum Tanz geführt, war das bereits bedeutsam. Der Kauf von Lebzeltherzen aber ein deutliches Signal für etwas, was in Worten gesagt doch noch zu weit gegangen wäre. All das sei hier nur einmal von Seite des Mannes betrachtet, wer weiß, wie es die andere Seite interpretieren würde?

Auf viele Fragen gab es damals vor Einbruch der Dunkelheit eben keine Antwort. Auf dem Heimweg aber begleiteten mich der Duft der Bratwürste und lange noch der Lärm vom Festplatz. Zumindest die Jauchzer am Tanzboden, das Donnern der Kegelbahn, die Schüsse am Schießstand und die Musik. Von dieser bis zuletzt - als ich schon im Dorf angekommen war – die große Trommel.

Schritte, die aus der Erinnerung führen...

Als ich nun den Rucksack wieder aufnehme und den schmalen Aufstieg fortsetze, ist es spät geworden. Wie sehr mich doch die Vergangenheit in ihren Bann gezogen hat, die Erinnerungen Schritt für Schritt aufgeblüht waren und ein Waldfest aus früheren Tagen vor meinen Augen entstanden ist. Ganz deutlich waren im aufkommenden Wind Stimmen zu hören, die Lichtstreifen entwarfen zuckende Bewegungen am Tanzboden. Da waren auch Marschmelodien, schrille Töne einer Klarinette und der dumpfe Schlag einer großen Trommel zu hören - oder war letzterer nur mein Herzschlag gewesen?

Ich schreite nun stärker aus, denn es dunkelt zunehmend. Nur mit Mühe ist der schmale Steig zu finden. Ein Verkehrsflugzeug brummelt am Himmel, weither vernehme ich das Tuckern eines Traktors und nun beißt mich eine Ameise, die sich durch mein Hosenbein bis zur empfindlichen Haut der Kniekehle emporgearbeitet hat. Erst dieser Schmerz reißt mich endgültig aus den Erinnerungen.