Der Stadlober Lenz – der Någl hat zogn …

Vielleicht meinen viele, der Lenz habe sich keine Verdienste erwor­ben. Freilich liegen keine Nachrichten vor, dass er Zeit seines Lebens eine Vereins- oder Gemeindefunktion aus­gefüllt hätte.

Er war ein Original – das genügt

Nun ist er gestorben und aus dem gewohnten Dorfbild verschwunden, das er tagaus und tagein in gebückter Haltung und mit seinen kurzen zap­pelnden Schritten geprägt hat. Und nun erkennen wir, dass der Lenz ein Teil unserer näheren Umgebung, ein Stück Heimat, sogar ein sehr origi­nelles Stück unseres Ortes war. Wir schätzen ihn umso mehr, nach­dem es ihn nun nicht mehr gibt. Er war – wie wir so gerne sagen – ein Original, der Stadlober Lorenz.

Wo kam er aber her, der Lenz?

1920 in Neuhof bei der „Schock-Hube“ geboren, war er lange Jahre Knecht beim Huber-Bauern. Später hat es ihn nach Zitoll verschla­gen, wo sich seine Mutter eine Baracke aus den Beständen des aufgelassenen Russenlagers (beim heutigen Umspannwerk) zwischen dem Gehöft Karrer und Mitteregger aufgestellt hat. Gearbeitet hat er bis zu seiner Pensio­nierung bei der Firma Kern, wo er als verlässlicher Mann gegolten hat.

 Jetzt geht er uns ab – der Lenz

Er war ein begeisterter „Oberlandler“ und man erzählt sich, dass er gern und gut getanzt hat. Die letzten Jahre präg­te er das Bild zwischen Zitoll und Deutschfeistritz.

Mehrmals am Tag beging er – meist mit einem Rucksack bestückt – diese Strecke und winkte freundlich dem vorbeifah­renden „Übelbacher“ zu. Für einige Dorfbewohner erledigte er Besorgungen und war auch ein verlässlicher Informant, wenn ein Gemeinde­mitglied vom Tod ereilt wurde. Viel hat er nicht gesprochen. Das wenige aber hat er oftmals wiederholt, und seine Meldungen wie: „Der Någl hat zogn“, waren sein ganz persönliches Marken­zeichen. Freilich ist es ungerecht, dass ihn die Schulkinder gerne verspottet haben. Es ist aber auch beobachtet worden, dass sie ihm im Vorübergehen Kastanien oder ein Zuckerl angeboten haben. Von wegen Verdienste – er war einer von uns! Das genügt, um ihn mit diesen Zeilen gebührend zu ehren.


Unsere Gemeinde-Zeitung, Deutschfeistritz, 12/ 1998; Sätze und Gegensätze, Band 10/ 1999:  Grundsätzlich sind alle hier veröffentlichten Inhalte urheberrechtlich geschützt und sämtliche Rechte vorbehalten.